PPR-NEWS

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KW 26/2022

Frank Thelen – vom Gründer zur Höhle der Löwen und wieder zurück. Was steckt hinter der Fassade?

Aufstieg nach Maß 

Es klingt nach einer Erfolgsgeschichte, die sich sehen lassen kann. Trotz fehlender Abschlüsse wird Frank Thelen zum Seriengründer einiger erfolgreicher Start-ups. In der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ entwickelt er das Image als Fernsehstar und Start-up-Starinvestor. Als Bekannter von Christian Lindner ist er ebenfalls in die große Politik vernetzt. Nun hat Thelen sogar seinen eigenen Publikumsfond für Kleinanleger. Es scheint alles zu funktionieren. Scheint. Recherchen des Reportageformats STRG_F haben jedoch kürzlich gezeigt, dass die Fassade bröckelt. Thelens Fonds „10xDNA“ ist um 47 Prozent abgestürzt. Die Kleinanleger haben einen großen Anteil ihres Geldes verloren. Der Investor hatte sich selbst und seine Idee als geradezu genial präsentiert. Seine Kunden würden nur in revolutionäre Technologien investieren. Thelens Team hätte genau berechnet, welches Unternehmen das nächste Google oder Facebook sein könnte. In wenigen Jahren sollte sich das Portfolio verdreifachen. Ein verlockendes Angebot, mit dem Thelen bereits 100 Millionen Euro verdient hat. 

Fragwürdige Versprechen

Akteure der Finanzwelt sind von Thelens Konzept allerdings weniger überzeugt. So zeigt sich Arthur Brunner von der ICF Bank von den Erfolgsversprechen irritiert, wie er gegenüber dem ZDF sagte: „Alle diese Unternehmen müssten total unterbewertet sein. Ich halte solche Versprechen für hahnebüchen.“ Auch an der New Yorker Börse hat STRG_F nachgefragt. Thelens Aussagen werden hier nur müde belächelt. Sind Thelens Versprechen also Größenwahn oder taktisches Kalkül? Fakt ist: Thelen hat seine Bekanntheit aus dem TV genutzt, um Kleinanleger anzusprechen. Dabei hat er einen riskanten Fonds mit unseriösen Versprechungen beworben. Durch die Gebühren kassiert seine Firma zudem auch bei Verlustgeschäften. Die ganz normalen Sparer verlieren ihr Geld hingegen. Das alles lässt Zweifel an der Integrität des TV-Stars aufkommen. Am Ende ist die Erkenntnis jedoch keine neue: Wenn Versprechungen am Finanzmarkt zu schön sind, um wahr zu sein – dann sind sie es meistens auch. Thelen bildet da keine Ausnahme. Ein Blick hinter die Fassade ist also immer zu empfehlen.

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