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KW 22/2022

Das Gesicht der deutschen Außenpolitik: Wie Annalena Baerbock den richtigen Ton trifft

Es kommt auf die Nuancen an

In der Politik ist eine gute Kommunikation ein maßgebender Faktor zum Erfolg. Diese Erkenntnis ist zwar mit Sicherheit nicht neu, doch ein Blick auf die Details hebt die unterschiedlichen Facetten einer guten und situativ passenden Kommunikation hervor. Es geht nicht nur um die Inhalte einer Rede, sondern auch um die Ansprache, das Auftreten oder die transportierten Botschaften auf Bildern. Besonders im Rampenlicht ist die Bedeutung von vermeintlichen Kleinigkeiten nicht zu unterschätzen. Denn Fehler werden hier medienwirksam herausgearbeitet, analysiert und kritisiert. Annalena Baerbock erhielt davon im Wahlkampf bereits eine umfangreiche Kostprobe: Ungenauigkeiten in ihrem Lebenslauf und Versäumnisse bei ihrer Weihnachtsgeldnachzahlung schadeten ihrem Image.  Zu ihrem Amtsantritt sprachen ihr laut dem Meinungsforschungsinstitut forsa sogar die Mehrheit der Deutschen die Eignung für den Posten als Außenministerin ab.

National und international Respekt verschafft

Doch als Gesicht der deutschen Außenpolitik macht Annalena Baerbock trotz oder gerade jetzt in Krisenzeiten bislang eine gute Figur. Die FAZ bestätigt: Ihre Beliebtheitswerte in der Bevölkerung steigen. Das hat auch mit ihrer Kommunikation zu tun. In Moskau bewältigt Baerbock die schmale Gratwanderung zwischen Haltung wahren und einen Affront vermeiden. Im zerstörten Butscha attestiert ihr die Tagesschau den Versuch, diplomatische Floskeln zu vermeiden und die Menschen in den Mittelpunkt stellen zu wollen. Auch der BR24 spricht der deutschen Außenministerin die Verwendung von Klartext zu. Das Krisenmanagement ist zu Baerbocks täglichen Geschäft geworden. Sie findet Worte in einer Deutlichkeit, die sich bei anderen Politikerinnen und Politikern vergeblich suchen lässt. Gemäß Paul Watzlawicks Axiom – Man kann nicht nicht kommunizieren – lässt sich natürlich auch das Schweigen des Bundeskanzlers interpretieren. Die Sichtweise der Opposition brachte CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter auf den Punkt: „Frau Außenministerin, Sie haben gerade die Rede gehalten, die wir von unserem Bundeskanzler erwarten.“ Wir werden weiterhin gut zuhören und gut zusehen, wie sich die Kommunikation unserer Außenministerin entwickelt.

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