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KW 13/2022

Demokratie-Nachhilfe in Unternehmen: die Initiative für betriebliche Demokratiekompetenz

Demokratie will gelernt sein

Ziel des Programms „Unsere Arbeit: Unsere Vielfalt. Initiative für betriebliche Demokratiekompetenz“ ist es, Demokratie in der Arbeitswelt zu stärken und Rassismus, Verschwörungserzählungen sowie Rechtsextremismus entgegenzuwirken. Dabei wird es vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert und unterstützt bundesweit 34 Projekte, welche Belegschaften, Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, Berufsschülerinnen und Berufsschülern sowie Lehrenden helfen sollen, demokratiefördernd zu handeln und sich Rassismus sowie anderen Ideologien der Ungleichwertigkeit vor Ort entgegenzustellen. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf kleinen und mittleren Betrieben in der Privatwirtschaft. Zum Programm gehören unter anderem Schulungen, Trainings, Seminare, Aktionen und die Begleitung von Initiativen vor Ort. Aufgrund der jüngsten Krisensituationen, in denen viele Falschinformationen verbreitet werden, Unverständnis herrscht und Ablehnung gegenüber des Fremden zunimmt, scheint es eine notwendige Entscheidung zu sein, ein Programm ins Leben zu rufen, das an der Wurzel des Übels anpackt. Diese ist in meisten Fällen Unwissenheit und Unsicherheit, weshalb Workshops und Vorträge durchaus eine Möglichkeit bieten, für langfristige Veränderungen zu sorgen – mehr vielleicht als Quoten und Vorschriften.

Viele Projekte, kaum Kommunikation

Tatsächlich wurde die Initiative bereits im April 2021 gegründet und ist somit schon beinahe ein Jahr alt. Dennoch hat es erst vergangene Woche eine offizielle Website bekommen. Und auch wenn es Social-Media-Kanäle gibt, sind diese kaum bespielt. Zwar ist die Initiative sowohl auf Instagram, Facebook, Twitter und LinkedIn zu finden, viele Inhalte sind jedoch nicht zu finden. Sämtliche Ergebnisse auf bekannten Suchmaschinen sind Beiträge auf den Websites anderer, mit zum Projekt zugehörigen Organisationen. Medial hat das Programm keine Aufmerksamkeit erhalten, was an den aktuellen Umständen, aber auch an der geringen Pressearbeit liegen kann. Nur zwei Pressemitteilungen hat es innerhalb eines Jahres gegeben. Da stellt sich die Frage: Warum? Eventuell gehen die Verantwortlichen davon aus, dass im Zuge der anhaltenden Krisen keine Aufmerksamkeit gegeben ist. Vielleicht fürchten sich die Verantwortlichen vor einer Empörungswelle, weil ihr Programm auch so aufgefasst werden könnte, dass manche Bürgerinnen und Bürger Nachhilfe benötigen. Oder aber die Initiative wartet auf vorzeigbare Erfolge aus den 34 Projekten. So oder so hat dieses Programm gerade während der Krisenzeit seine Daseinsberechtigung und darf sich gerne um mehr Aufmerksamkeit bemühen.

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