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KW 07/2022

Typisch hanseatisch? Der Kommunikationsstil des neuen Kanzlers Olaf Scholz

„Moin moin“ ist schon Gesabbel

Der stereotypische Hanseat ist kein Mensch vieler Worte. Olaf Scholz, der in Hamburg aufwuchs, scheint diese norddeutsche Eigenart verinnerlicht zu haben. In seiner Rolle als Kanzler lastet ihm dies jedoch öfter an. So schreibt die Tagesschau, Scholz werde gerade bei unangenehmen Themen wortkarg. Nun war zwar auch seine Vorgängerin Angela Merkel kein Wasserfall an Emotionen, doch nicht nur die Art der Kommunikation des neuen Bundeskanzlers, sondern ihre bloße Präsenz – oder vielmehr deren Abwesenheit – war Gegenstand der Kritik. Auf Twitter suchten die User Anfang des Monats unter dem Hashtag #woistScholz nach ihrem Kanzler. Dieser glänzte in ihren Augen mit Abwesenheit, was gerade während der brisanten Ukraine-Krise und anhaltenden Corona-Situation zu Unmut führte. Denn Scholz war und ist vorsichtig in seiner Kommunikation. Vielen Wählerinnen und Wählern fehlen dadurch jedoch das Emotionale und der Entscheidungswille, den ein Kanzler in ihren Augen mitbringen sollte.

Der frühe Scholz fängt den Wurm

Es ist fast so, als hätte der Kanzler den Ruf auf Twitter vernommen. Am 13. Februar sendete er über das Soziale Netzwerk seine erste Nachricht. Thema war die Wiederwahl Frank-Walter Steinmeiers zum Bundespräsidenten. Am Ende schloss er mit der Nachricht: „Und: Hallo, Twitter!“ Im nächsten Posting erst schrieb er dann, seine Politik erklären zu wollen und das auch über Twitter. Was international keine Neuheit ist, gab es in Deutschland in der Form zuletzt nicht. Über den Kurznachrichtendienst spricht das Staatsoberhaupt „direkt“ zu den Bürgerinnen und Bürgern. Im Ukraine-Konflikt hat Scholz mittlerweile auch den Mut für klare Worte gefunden und laut Redaktionsnetzwerk Deutschland auf Augenhöhe mit Putin argumentiert. Sogar einen kleinen Scherz am Ende hat er sich erlaubt. Die Ukraine in die Nato aufzunehmen, sei kein Thema, das in der Amtszeit der beiden Politiker entschieden werde. Auch wenn Putin wohl noch länger an der Macht bliebe als er selbst. Fast schon emotional wurde Scholz auf Twitter: „Es ist unsere verdammte Pflicht, für den Frieden einzutreten.“ Die Kommunikation des Bundeskanzlers hat sich in seiner kurzen Amtszeit bereits verändert. Wer Scholz heute sucht, kann auf Twitter nachschauen. Was noch folgt, sehen wir in den nächsten vier Jahren.

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