PPR-NEWS

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KW 06/2022

Kommunikation durch Provokation: Ein Geschäftsmodell auf schmalem Grat

Über Provokation…

Als Kommunikation ist allgemeinhin die Verständigung durch die Verwendung von (nonverbalen) Zeichen und Sprache definiert – doch sie kann noch viel mehr. Ein bekanntes Sprichwort besagt, dass der Ton die Musik macht. In letzter Zeit ist dieser Ton oft rauer und lauter, da Kommunikation für Provokation genutzt wird. Wer provoziert, fällt auf, bekommt Aufmerksamkeit und kommt ins Gespräch. Oft ist das Mittel der Provokation mit Kalkül gewählt. Beispiele dazu gibt es zuhauf: angefangen bei Rappern, die sich in ihren Liedern gegenseitig bloßstellen, über berühmte Autoren wie Michel Houllebecq bis hin zu Medien, die bewusst mit populistischen und provokativen Schlagzeilen spielen. Klar ist: Alle provozieren bewusst und setzen darauf, dadurch mehr Geld zu verdienen. 

…und Satire

Wer provoziert, bewegt sich jedoch stets auf einem schmalen Grat. Der dazugewonnenen Bekanntheit stehen Kritik und möglicherweise auch eine komplette Abwendung der Empfänger entgegen. Hier gilt es abzuwägen: Lohnt sich die erhöhte Aufmerksamkeit – oder schadet sie womöglich dem Ruf? Seriöse Medien provozieren daher aus guten Gründen nicht, sondern setzen als Stilmittel die Satire ein. Satire ist dabei als Kunstgattung bekannt, die durch Übertreibungen, Ironie und Spott Kritik an einzelnen Personen, Personengruppen oder Ereignissen übt. Meist werden dabei – anders als bei der Provokation – gewisse Grenzen eingehalten. Prominente Beispiele sind dafür die „heute show“, „extra3“ oder das „neo magazin royal“, die auch unter anderem im öffentlich-rechtlichen Rundfunk angesiedelt sind. Diesen TV-Shows geben dem Zuschauer von Vorhinein den definierten Rahmen, alles mit einem Augenzwinkern zu sehen – das gibt Orientierung und lässt dem Empfänger die Inhalte besser einordnen. Der Erfolg gibt ihnen Recht: Beispielsweise war die „heute show“ Ende März 2021 das meistgesehene TV-Format von Personen zwischen 14 und 49 Jahren und sicherte sich damit Marktanteile von 20 Prozent. Hin und wieder scheitert jedoch die Gratwanderung zwischen Satire und Provokation – wie bei Jan Böhmermann, der mit seinem Gedicht über Erdogan eine diplomatische Krise zwischen Deutschland und der Türkei auslöste.

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