PPR-NEWS

619

KW 05/2022

Von der Insolvenz zum Börsengang: der steinige Weg des Elektroauto-Herstellers Next e.GO

Verloren im Haifischbecken

Im Jahr 2017 stellte Next e.GO sein erstes Fahrzeug vor. Bereits zwei Jahre später wurden die ersten Elektroautos ausgeliefert. Allerding wurde Anfang Juli 2020 das Insolvenzverfahren gegen Next e.GO eröffnet. Die Produktion des Herstellers wurde gestoppt und die Pläne des 2015 gegründeten Start-ups kamen vorzeitig zum Erliegen. Leider scheint der Umsatz trotz der anfänglichen Erfolgsstory nicht ausreichend gewesen zu sein. Gründe für die Insolvenz waren unter anderem die große Konkurrenz: Konzerne wie VW oder BMW haben ebenfalls den Wert und Markt der E-Mobilität erkannt und eigene Elektrofahrzeuge am Markt etabliert. Somit ist Next e.GO in keiner Nische eingestiegen, sondern in einen bereits existierenden, sehr umkämpften Wirtschaftszweig. Zudem haben die etablierten Hersteller dem Start-up gegenüber einige Vorteile. Sie können eventuelle Verluste mit dem Verkauf von herkömmlichen Verbrennern ausgleichen. Das konnte Next e.GO nicht, da das Unternehmen nur ein Modell im Angebot hatte und somit auf die mit diesem Fahrzeug erzielten Gewinne angewiesen war.

Noch mehr Nachhaltigkeit

Doch trotz all dieser Widrigkeiten hat es das Unternehmen geschafft, sich zu retten. Dabei spielt auch die Umweltbewegung eine große Rolle im neuen Plan des Start-ups. Next e.GO will die Außenkarosserie aus recyclebarem Kunststoff herstellen und gefärbte Teile ohne energieintensive Lackierung beitragen. Mit dem starken Fokus auf Nachhaltigkeit wurde vielleicht doch eine Nische im Automobilmarkt gefunden. Unterstrichen wird dieser Ansatz etwa durch die Kooperation mit fairnergy. So können sich die Fahrerinnen und Fahrer des e.GO-Autos Emissionszertifikate ausstellen lassen und für bis zu 300 Euro im Jahr an Mineralölgesellschaften verkaufen, die verpflichtet sind, ihre Treibhausgasemissionen auszugleichen. Das geht auch, wenn an anderer Stelle CO2 eingespart wird. Das Unternehmen verspricht einen digitalen und reibungslosen Ablauf und weist darauf hin, dass das Geld auch für nachhaltige Projekte gespendet werden kann. Mit diesem Fokus auf eine klimaorientierte Zielgruppe – den „individuellen Impact-Beitrag“ – und einem neuen Investor im Rücken, geht das Start-up in die nächste Runde. Ob sich die stärkere Orientierung auf Nachhaltigkeit und medienwirksame Aktionen wie die Zusammenarbeit mit fairnergy auszahlen, zeigt die Zukunft.

Zurück