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KW 04/2022

Restitution: Die Rolle des Hamburger Museums MARKK in der Debatte über geraubte Kunst

Hamburg leistet Restitution

Bereits seit den 1970er Jahren fordert Nigeria die Benin-Bronzen zurück, die in Europa verteilt in Museen ausgestellt werden. Jetzt hat sich Hamburg entschlossen, dieser Forderung nachzukommen. Der Kultursenator Carsten Brosda hat angekündigt, dass das Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt (MARKK)  im kommenden Jahr das Eigentum an sämtlichen 179 Benin-Objekten in seiner Sammlung an Nigeria übertragen wird. Die Bronzen stammen aus dem alten Benin-Königreich, welches 1897 von britischen Truppen zerschlagen wurde. Dabei wurden rund 3.000 Benin-Bronzen erbeutet. 1.200 von ihnen lagern momentan in deutschen Museen. Die Restitutionsdebatte beschäftigt sich allgemein mit dem Thema, aus Kunstraub erbeutete Ausstellungsstücke in ihre Heimat zurückzuführen beziehungsweise diese an die ursprünglichen Besitzer zu übertragen. Das heißt nicht zwangsläufig, dass sie nicht mehr in Deutschland ausgestellt werden dürfen, es werden jedoch die Besitzverhältnisse angepasst.

Keine Trauer zu spüren 

Das MARKK hat nun eine Abschiedsausstellung organisiert, die auf Ehrlichkeit setzen will. Während viele Museen die britischen Plünderungen als Strafexpedition umschrieben haben, hält sich das Hamburger Museum nicht mit Verschleierungen auf. Stattdessen zeigt es zum ersten Mal alle 179 Ausstellungsstücke, auch jene, die in einer regulären Ausstellung nicht gezeigt werden würden, weil sie nicht zuordenbar sind oder ihr ursprünglicher Nutzen nicht herausgearbeitet werden konnte. Beschädigungen und Dinge, die nicht in das Konzept der Ausstellung passen, gibt es hier nicht. Somit setzt das Team nicht nur in der Benennung des Raubzugs auf Ehrlichkeit, sondern auch bei den Ausstellungsstücken selbst. Außerdem gehen die Verantwortlichen einen weiteren Schritt auf die nigerianische Regierung zu. So könne Nigeria sämtliche Ausstellungsstücke in ihr Heimatland zurückfordern, falls gewünscht. Dennoch scheint das MARKK auf eine ebenbürtige Zusammenarbeit und den Austausch zu hoffen. Schließlich leben viele europäische Museen von Kunst aus anderen Ländern, auch wenn das dessen Herkunft nicht rechtfertigen kann.

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