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KW 39/2021

 Alle Welt hat auf diese Wahl geschaut: der starke Abgang der Mutmacherin Angela Merkel und einer Feministin, die sie geworden ist

Eine Ära geht zu Ende

Angela Merkel ist 1953 in Hamburg geboren und aufgewachsen in der ehemaligen DDR. Sie war zunächst nicht an der Politik interessiert, hat ihre Schullaufbahn mit einem exzellenten Abitur abgeschlossen, Physik studiert und einen naturwissenschaftlichen Doktortitel erlangt. Erst nach der friedlichen Revolution in der DDR im Herbst 1989 politisierte sie sich. Sie schließt sich dem Demokratischen Aufbruch an, der 1990 der CDU beitritt. Ihre Karriere ist beeindruckend. Zunächst schafft sie es mit einem Direktmandat 1990 in den Bundestag, dann wird sie als Bundesministerin für Frauen und Jugend die erste Bundesministerin aus der ehemaligen DDR. 1994 wird sie zur Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit berufen. In dieser Position erreicht sie ein Mandat für eine weltweite Reduzierung der Treibhausgase. 2000 wird sie schließlich zur Parteivorsitzenden der CDU/CSU gewählt. Fünf Jahre später wählt Deutschland sie zur Bundeskanzlerin und bis dahin jüngsten Amtsinhaberin. Sie schafft es, die Krise um den EU-Verfassungsvertrag beizulegen und den Vertrag von Lissabon zu schließen. Für ihre Verdienste um Europa erhält sie 2008 den Internationalen Karlspreis zu Aachen. Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima regt sie einen radikalen Wandel der deutschen Energiepolitik an. Daraus resultiert der Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie bis 2022. Zudem schafft sie die bis dahin geltende Wehrpflicht ab.

Angela Merkel – eine Feministin?

Kann Angela Merkel neben ihren Verdiensten in der Politik außerdem als Feministin bezeichnet werden? Immerhin herrschte lange Zeit in ihrer Partei ein eher konservatives Familienbild vor und sie selbst hat sich gegen eine gesetzliche Frauenquote ausgesprochen. Den Titel der Feministin hat sie sich nie gegeben. Bis zu diesem Monat, als sie sich in einem Interview erstmals eindeutig dazu bekannte. Sie gab zu, dass sie sich nicht als Feministin sehen wollte, da sie sich die Errungenschaften der Aktivistinnen und Aktivisten nicht zu eigen machen wollte. In einer Diskussionsrunde hat sie laut der Deutschen Welle über Königin Maxima aus den Niederlanden gesprochen und zugegeben: „Sie hat zu mir gesagt, im Kern gehe es doch darum, dass Männer und Frauen in der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und am gesamten Leben gleich sind. Und in diesem Sinne kann ich heute bejahend sagen, dass ich Feministin bin." Allein ihr Dasein als erste Kanzlerin Deutschlands ist wohl bereits ein feministisches Symbol. Sie hat alte Regeln aufgebrochen und sich in einer von Männern dominierten Politik durchgesetzt. In ihrer Amtszeit führte sie Elternzeit und Elterngeld ein, baute Kinderbetreuungsplätze landesweit aus und führte eine neue Regelung ein, die jungen Müttern den Wiedereinstieg in den Beruf vereinfachen soll. Sie hat vielleicht nicht als Feministin begonnen, jedoch als eine ihre Zeit als Kanzlerin beendet.

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