PPR-NEWS

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KW 29/2021

 Über den schleichenden Niedergang der einst hoch angesehenen Lokalzeitungen: Wer informiert uns nun über unsere Nachbarschaft? Eine Analyse 

Der Niedergang der Lokalzeitungen

Die Lokalzeitung – sie ist das Medium, das seine Leserinnen und Leser seit dem 17. Jahrhundert begleitet und mit den neuesten Informationen aus der Nachnachbarschaft versorgt. Wie das Wirtschaftsmagazins Meedia prognostiziert, wird im Jahr 2033 allerdings die letzte gedruckte Zeitung vom Band laufen. Stirbt also die Lokalzeitung als Printmedium langsam, aber sicher aus – und woran kann das liegen? Viele geben dem Internet die Schuld. Es stellt viele Inhalte kostenlos und vor allem schnell zur Verfügung. Ein Unfall ist in der Parallelstraße zur Grundschule passiert? Kurze Zeit später gibt es eine entsprechende Meldung online. Ein örtlicher Konzern beschließt Mitarbeiterabbau? Auch diese Neuigkeit können Interessierte noch am selben Tag im Web lesen, anstatt warten zu müssen, bis es in der Printausgabe der Zeitung steht. Das Internet mit seinen kostenlosen Meldungen führt dazu, dass Menschen oftmals nicht dazu bereit sind, für journalistische Online-Inhalte Geld zu zahlen. Damit fallen nicht nur die Einnahmen der gedruckten Zeitung weg, sondern es werden weniger neue Einnahmen online generiert. Da die Lokalzeitungen jedoch relativ hohe Kosten zu tragen haben, entsteht eine Pattsituation, für die es bisher keinen guten Schachzug gibt. Die Frage, die auf diese Situation folgt, ist, worüber sich die Menschen informieren, wenn die Lokalzeitungen wegfallen.

Wer schaut jetzt für uns über den Gartenzaun?

Das Internet spielt zweifelsohne die Hauptrolle in der veränderten Medienlandschaft. Hinzu kommt, dass nicht mehr nur ausgebildete Redakteurinnen und Redakteure Informationen online zur Verfügung stellen. Immer beliebter werden Blogs, die lokal informieren und Geschichten aus der Nachbarschaft erzählen. Finanziert werden ebenjene Blogs häufig durch Werbeanzeigen, die ebenfalls online geschaltet werden können. Alternativ bedienen Social-Media-Kanäle lokaler Medien, Unternehmen und Organisationen das Interesse ihrer Followerinnen und Follower. Denn zu letzterem sind die Leserinnen und Leser heutzutage geworden – zu Mediennutzenden, die ihren ausgewählten Informationskanälen folgen. Es ist zwar einfach zu sagen, das Internet sei der Feind der gedruckten Zeitung. Doch so simpel ist es nicht. Der schleichende Niedergang, den die Zeitung erlebt, zieht sich schon länger hin, so das Online-Magazin Cicero. Dabei haben zahlreiche Verlage erst spät die Hürden zu einem ansprechenden Internetauftritt überwunden. Doch die Lokalzeitungen sollten den Feind Internet als Freund sehen und mit ihm neue Wege gehen, neue Fenster und Türen öffnen, ja, neue Tabs eben. Denn dann können Lokalreporter und Onlineredakteurin in dieselbe Richtung schauen und sowohl Leser- als auch Followerschaft dort abholen, wo sie stehen. Ob es am Gartenzaun, an der örtlichen Grundschule oder in der Kantine des Hidden Champions der Region ist.

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