PPR-NEWS

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KW 24/2021

Warum Trigema ein Familienunternehmen ist, das wir mögen. Ein Porträt der Familie Grupp

Den Standort Deutschland nie aufgegeben

Trigema ist Deutschlands größter Hersteller von Sport- und Freizeitbekleidung. Eine erstaunliche Wirtschaftsgeschichte hat das Unternehmen der Familie Grupp hingelegt. Während deutsche Textilindustrieunternehmen entweder aus dem Markt verschwanden oder im asiatischen Raum ihr Glück suchten, blieb das Familienunternehmen dem deutschen Standort treu. Wolfgang Grupp ist seit Jahrzehnten der alleinige Geschäftsführer und Inhaber in dritter Generation. Stets hat er Trigema modernisiert und neu ausgerichtet. Sein Bekenntnis zum Standort Deutschland war dabei nie allein ein Werbespruch, sondern gelebte Wirklichkeit. Vom Garn bis zum versandfertigen Produkt verwirklicht Trigema alle Stufen der Produktion im eigenen Haus. Auch achtete Grupp darauf, dass seine Mitarbeiterschaft engagiert blieb und sich mit den Firmenzielen verbunden fühlte. Heute bietet Trigema verschiedene Kanäle zum Kauf seiner Produkte an. In 45 sogenannten Testgeschäften werden die Waren angeboten. Außerdem kooperiert Trigema mit über 4.500 Handelskunden und beliefert Firmen, Vereine und Schulen mit personalisierten Bekleidungsstücken.

Übergang in die nächste Generation

1969 trat Wolfgang Grupp die Nachfolge seines Vaters Franz Grupp als Geschäftsführer an und etablierte den Geschäftsbereich T-Shirt und Tennisbekleidung unter dem Markennamen Trigema. Im weiteren Verlauf verwandelte er die traditionelle Trikotwarenfabrik in eine Produktionsstätte modischer Freizeitkleidung. Als er nach seinem BWL-Studium die Firmenleitung übernahm, war die Firma noch stark diversifiziert und hatte bei (umgerechnet) 8,7 Millionen Euro Umsatz 5,1 Millionen Euro Bankschulden. Das Vorbild des erfolgreichen Großvaters vor Augen, kehrte er zu den Wurzeln zurück und verringerte das Angebot. Bis 1975 hatte er den Umsatz auf 28,1 Millionen Euro gesteigert und sämtliche Schulden getilgt. Wolfgang Grupp ist nun Ende 70 und schaut auf ein bewegtes Leben zurück. Es ist ein Alter, in dem viele an das Beenden wirtschaftlicher Aktivitäten denken. Er hat zwei Kinder. Beide wollen ihn offenbar beerben. Nur eines wird zum Zug kommen. Das letzte Wort hat die Mutter, kommentierte die FAZ wohlwollend. Wer ist wirklich in der Lage, das Unternehmen weiterzuführen? Die Konstellation – das wissen sie, auch wenn sie Einigkeit demonstrieren – hat alles, was es für einen zünftigen Erbstreit braucht: starke, eigenwillige und ehrgeizige Charaktere. Und einer, das steht offenbar fest, wird verlieren. Es klingt wie im Drehbuch. Doch: Dass Trigema eine deutsche Firma geblieben ist, ist auch eine Verpflichtung. Möge die Familie Grupp einen guten Weg des Übergangs finden. Sympathien, dass es mit diesem Unternehmen weiter geht, sind allerorts da.

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