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KW 23/2021

Das Reich der Mitte greift weit hinaus: Wie die Seidenstraße Länder und Firmen an China bindet

Der neue Stern am Himmel?

Wer sich China als Entwicklungs- und von Armut gezeichnetes Land vorstellt, hat inzwischen keinen aktuellen Blick mehr auf die Lage. Laut der FAZ haben mehr als 500 Millionen Chinesinnen und Chinesen in den vergangenen 30 Jahren den Aufstieg aus der existenziellen Armut heraus bewältigt. Nur noch jeder Zehnte lebe heute unter der Armutslinie von einem Dollar pro Tag. 1981 waren es noch 64 Prozent. Damit beherberge China nur noch 13 Prozent aller Menschen der Welt in dieser Einkommensgruppe. Das ist zwar weiterhin keine zu unterschätzende Zahl, doch im weltweiten Vergleich waren es noch 43 Prozent. Überall profitieren Unternehmen von den niedrigen Preisen der Exportgüter Chinas. Von 1996 bis 2000 sind die Exportmengen jährlich um zwölf Prozent gestiegen. Danach hat die Volksrepublik Zuwächse von bis zu 35 Prozent erzielt. China ist inzwischen bei Zukunftstechnologien und der Künstlichen Intelligenz eine ernstzunehmende Macht. Der Aufstieg begann mit ausländischen Direktinvestitionen in Chinas Wirtschaft und das Outsourcing westlicher Unternehmen nach China. 

Eine neue Seidenstraße

Heute möchte China den Standard halten und hat zudem begonnen, ganze Länder an sich zu binden. Das erreichen sie laut der Berliner Morgenpost mit geschickten Investitionen und Käufen auch in europäischen Ländern. So hat China in Portugal Anteile an Banken, Versicherungen, Krankenhäusern und Elektrizitätswerken gekauft. In Griechenland kauften sie Anteile des Hafens von Piräus. Das bisher kostspieligste Vorhaben in Höhe von 3,7 Milliarden Euro ist der Neubau der Eisenbahnstrecke zwischen Belgrad und Budapest. Diese umfasst den Bau von Straßen, Eisenbahnlinien und Öl- sowie Gas-Pipelines, die China mit Europa und Afrika verbinden sollen. Das Projekt wird auch als neue Seidenstraße betitelt. Mit den großflächigen Investitionen in Afrika und Europa und seiner Kaufkraft verursacht das Reich der Mitte finanzielle Abhängigkeiten und sichert darüber Chinas Einfluss. Die Bundesregierung reagierte bereits 2019 auf ausländische Einflussnahme an deutschen Unternehmen. Ausländische Übernahmen werden seitdem strenger überprüft. In sicherheitsrelevanten Branchen kann die Regierung eine Beteiligung ab zehn Prozent unterbinden. Davor lag diese Grenze erst bei 25 Prozent. Wir beobachten weiter, wie und wie weit das Land der Mitte zukünftig hinausgreifen wird.

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