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KW 21/2021

Das Tontaubenschießen mit Annalena Baerbock: Warum deutsche Medien die Grünen-Kandidatin erst hoch schrieben und nun hinunter schreiben. Eine Analyse

Von Lobpreisungen…

Als die Grünen zu Beginn des Bundestagswahlkampfes ihre Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock verkündeten, war die Resonanz in den Medien groß. Wieder steht Deutschland eine Frau zur Wahl, die gute Chancen auf Erfolg hat. 40 Jahre jung, verheiratet und Mutter zweier Kinder – die Parteichefin der Grünen trifft damit den Zahn der Zeit. Als emanzipierte Frau vereint sie Karriere und Mutterschaft und als Mitglied bei den Grünen spricht sie viele junge Erwachsene an, die gerade in den letzten Jahren als Teil der „Fridays for Future“-Bewegung aktiv waren. Auch durch ihr junges Alter erreicht sie junge Wählerinnen und Wähler. Dieses Bild, das die Grünen gezielt erschaffen haben, übernahmen viele Medien. Die Berichterstattung der großen Medienhäuser fiel entsprechend positiv aus. So wurde sie sowohl vom Spiegel als „Frau für alle Fälle“ als auch von der Zeit als „Die Überlegene“ tituliert. Laut dem Stern sind viele Medien auf den Zug der Gesellschaft aufgesprungen, anstatt distanziert und neutral zu berichten.

 …zum Zielschießen

Nun hat sich die Berichterstattung schlagartig geändert. Das liegt vor allem an zwei Sachverhalten: So habe Annalena Baerbock vermeintlich vergessen, ein paar Sonderzahlungen zu melden, die sie nun freiwillig nachgereicht habe. Diese Gelder werfen einige Fragen auf, da sie unter anderem Prämien für Erfolge enthielten, die in der Politik eher unüblich sind. Auch bei Flugreisen schnitten die Grünen nicht gut ab. Während der Durchschnitt der Parteien laut dem Tagesspiegel etwa 1,2 Flugreisen pro Person unternimmt, sind es bei den Grünen 1,9. Eine negative Berichterstattung folgte prompt, schließlich steht die Partei für den Klimaschutz. Als diese Themen bekannt wurden, sahen sich die Medien wohl im Zugzwang, ihre bisherige einseitige Berichterstattung zu relativieren, wodurch sie plötzlich sehr negativ ausfiel. Dadurch entsteht das Bild einer Kandidatin, die erst über alle journalistische Maße gelobt und schließlich zur Zielscheibe wird. Hätte die Objektivität von Anfang an die Federführung übernommen, wäre dieses Bild vermutlich mit weniger Kontrasten ausgekommen.

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