PPR-NEWS

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KW 17/2021

Hohe Sachlichkeit oder gewinnende Kommunikation: Was braucht es zum Regierungschef?

Regierungschefs: Wie war Merkels Weg?

Angela Merkel war anfangs ein Phänomen in Europa. Die erste Frau an der Spitze Deutschlands und dazu sowohl durchsetzungsfähig als auch geschickt in Verhandlungen. Seit knapp 16 Jahren leitet sie Deutschland. Der FAZ zufolge ist Angela Merkel jedoch selten eine gute Rednerin. Auch Rhetorik liege der Kanzlerin nicht. Gleichwohl macht dies einen großen Teil in der politischen Arbeit aus. Dennoch hat sie sich gut durchsetzen können. Das liegt an ihrer Art zu kommunizieren, auch wenn es häufig nicht wahrgenommen wird. Um das höchste politische Amt Deutschlands zu bekleiden, musste sie Worte finden, die die Menschen annehmen konnten. Sie setzte auf Ermutigungen und den Blick in eine gute Zukunft. Damit gewann sie die Aufmerksamkeit ihrer Partei und bald auch des Bundestages. Später war ihre Kommunikation weniger emotional, dafür aber drängender. Mit Formulierungen wie „wir müssen“ oder „alternativlos“ suggeriert sie die Dringlichkeit ihrer Intentionen und erschafft so einen gewissen Unternehmensdrang bei ihren Kolleginnen und Kollegen aus der Politik sowie den Bürgerinnen und Bürgern. Wenngleich der Bundeskanzlerin unterstellt wird, keine gute Rednerin zu sein, erreicht sie mit ihrer Kommunikation dennoch oftmals ihr Ziel. 

Wünsche an die politische Spitze

Im Herbst dieses Jahres finden die Bundestagswahlen statt. Der Wahlkampf ist im vollen Gange. Unterschiedliche Kandidatinnen und Kandidaten bedienen sich unterschiedlicher Kommunikationsmodelle, die auch Auswirkungen auf die Wähler haben. Armin Laschet und Markus Söder der CDU/CSU und Annalena Baerbock von den Grünen sind medial besonders oft zu sehen. Während die 40-jährige Annalena Baerbock die jüngste Führungskraft Deutschlands werden könnte, könnte ihr ihre mangelnde Regierungserfahrung zum Verhängnis werden. Die Berliner Morgenpost bezeichnet diese Schwäche als “offene Flanke”. Dennoch trifft das Auftreten Baerbocks als emanzipierte, junge Frau und Mutter den Zahn der Zeit. Auch das Wahlprogramm der Grünen und deren Klimaschutzvorhaben könnte viele junge Erwachsene ansprechen. Die Kanzlerkandidaten von CDU/CSU haben sich dagegen nicht nur eine medial begleitete Schlammschlacht geliefert, sie haben zudem noch kein aussagekräftiges Wahlprogramm erstellt. Dies vermittelt Unsicherheit an die Wählerinnen und Wähler, die sich während der Pandemie nach mehr Stabilität sehnen.

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