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KW 07/2021

Viele Wissenschaftler verwirren uns: Warum wir nicht allein auf das Robert-Koch-Institut hören wollen

Dem Wissenden mehr vertrauen als den nur Erzählenden

Was ist Wissenschaft? Zur Antwort ist es lohnend, in die Antike zu gehen. Während das wissenschaftliche Denken in der Philosophie und der frühen Physik in Griechenland begründet liegt, wurde es im antiken Rom fortgeschrieben. Im Lateinischen bezeichnet das Wort etwas, was jeder verstehen kann. Es meint die Teile und die Gesamtheit allen menschlichen Wissens. Die Wissenschaft bedient sich vieler Werkzeuge und Methoden. Darunter sind die Logik, die Gesetze und die Maßbestimmungen, über die sich eine Gemeinschaft von Wissenschaftlern verständigt hat. Wie kommt es zugleich, dass wir heute das Gefühl haben, viele Stimmen aus der Wissenschaft würden mit verschiedenen Stimmen arbeiten? Warum entsteht in Zeiten der Pandemie der Eindruck, die Medizin sorge mit den vielen, sich gegenseitig widerlaufenden Stimmen, für Unklarheit? Dort hilft der Begriff der Kakophonie weiter (von altgriechisch „schlecht“ und „Laut, Ton, Stimme“). Diesen Zustand, der vor allem der Musik und der Literatur entlehnt ist, empfinden wir mittels verschiedener Äußerungen und Meinungen von Medizinerinnen und Medizinern als Misslaut und Missklang. Diese beunruhigen mehr, als dass sie beruhigen. Was ist zu tun?

Wer Experten folgt, lebt besser

Es hilft, sich zu entscheiden, wer der persönliche Partner in einer Frage der Wissenschaft sein soll. So ist es der Physiotherapeut, dem ich mein Vertrauen schenke, mir nach einer Verrenkung zu helfen. Es ist mein Zahnarzt, dem ich aus vielen Jahren gemeinsamer Erfahrung das Wissen zuschreibe, das Richtige zu tun. Und nun, in der Jahrhundertkatastrophe des Corona-Virus? Auch dort ist es wichtig, sich für einen Partner zu entscheiden. Auch wenn es komisch klingt, führt diese Entscheidung dazu, andere aus der alltäglichen Kommunikation auszuschließen. In Fragen des Virus haben sich mein Umfeld und ich früh für das Robert-Koch-Institut entschieden. Da es die selbstständige Bundesbehörde und damit gegenüber der Bundesregierung weisungsgebunden ist, vertraue ich ihnen. Als Einrichtung der öffentlichen Gesundheitspflege hat es die Gesundheit der Gesamtbevölkerung im Blick und ist eine zentrale Forschungseinrichtung der Bundesrepublik. Auch wenn die Kolleginnen und Kollegen dort Fehler machen, schenke ich ihnen mein Vertrauen. Denn wenn man nur auf eine statt auf viele Stimmen hört, deren Hintergrund wir kaum erfahren, stärkt man die Strategie, mit sich eins zu sein. Und eins mit sich zu sein, ist eine gute, gesunde Haltung in der Krise – ob man sie einnimmt oder nicht.

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