PPR-NEWS

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KW 03/2021

Warum „Fridays for Future" nur eine Zukunft hat, wenn sie sich auf den Marsch in die Institutionen begeben

Wie könnt ihr es wagen?

Die Nachrichtenlage hat sich im letzten Jahr in allen westlichen Ländern verändert. Neben Corona und der internen Politik war wenig Platz für andere Themen und Personen. Besonders betroffen war die Bewegung „Fridays for Future“, die sehr von einer großen Reichweite in den Medien gelebt hat. 2019 sah man die Gründerin Greta Thunberg im großen Versammlungssaal der Vereinten Nationen in Manhattan. Dort warf sie den Politikerinnen und Politikern eine Aussage entgegen, die in ihrer Wirkung nicht eindringlicher hätte sein könnte. Die junge Schwedin sagte: „Wie könnt ihr es wagen [die Verantwortung für den Klimawandel an die junge Generation abzugeben]?“ Seitdem sind viele Monate vergangen in einer schnelllebigen Welt. Der Film zur Person Greta Thunberg, der eine sehr selbstbezogene Ich-Geschichte geworden war, hatte aufgrund der veränderten Welt in 2020 nicht die erhoffte Aufmerksamkeit entfaltet. Bis heute ist „Fridays for Future“ in Deutschland eine nicht rechtsfähige Personenvereinigung und versteht sich als basisdemokratische, nicht in eigenen Wahlen bestehende, Graswurzelbewegung. Der Schulstreik nahm weite Teile der Welt und dort junge Menschen dafür ein, sich für das Klima einzusetzen. Doch was bleibt heute von den vielen Bewunderten und auch von vielen Umstrittenen?

Der Marsch hat erst begonnen

Es lohnt sich, in die Proteste der sechziger Jahre in der westlichen Welt zu schauen. Der Protest der damaligen Jugend war vielfältig. Während die US-Jugend vor allem gegen den verheerenden Vietnam-Krieg auf die Barrikaden ging, sahen viele junge Franzosen das Ende eines zerstörerischen Kapitalismus voraus. Die deutsche Jugend lehnte sich gegen ihre Eltern und Großeltern auf, die im Zweiten Weltkrieg den Holocaust zu verantworten hatten. Der Protest auf der Straße teilte sich dann in viele Formen. Einige gingen in den Untergrund und übten militärisch geplante Anschläge. Viele gingen in einen geregelten Lebenslauf, nachdem die Hitze des Protestes abgekühlt war. Wieder andere machten sich auf, in den Institutionen der Demokratien einen langen Weg zu gehen. Sie gingen in die Parteien, in die Vereine und Verbände. Die vielen engagierten jungen Leute von „Fridays for Future“ stehen nun vor der entscheidenden Frage: Wollen sie ihrem Ziel in der harten Wirklichkeit näherkommen, gehen sie dann hinein in die Mitte ihrer Länder und in die Mühe der Ebenen, die damit zusammenhängen? Oder wollen sie der Sturm der Entrüstung bleiben, bis ihre Bewegung in Teile zerfällt? Es wäre daher mehr als lobenswert, wenn die deutschen Begleiter von Greta Thunberg bald in den Kreisverbänden der Parteien handelten, in den Vereinen wirkten und in den Verbänden ihr Wort führten. Wo fängt Demokratie an? Vielleicht auf der Straße. Enden tut sie dort, wo sie hingehört: in Parlamenten. Oder nicht?

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