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KW 02/2021

Wie das gute alte Buch in Zeiten der Pandemie eine Renaissance erlebt: die neue, innere Einkehr

Der Büchermarkt ist nicht untergangen

Der Anstieg der Verkaufszahlen im Büchermarkt ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die bestehenden E-Book-Käufe zunahmen: Pro Kopf legte jeder Käufer im Schnitt fast einen Titel mehr in den Warenkorb als im Vorjahreszeitraum. Die Kaufintensität stieg um 15 Prozent von 6,0 auf 6,9 Exemplare. Auch die Ausgaben pro Kopf nahmen um 17,5 Prozent zu. Damit erwarben in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 rund 2,7 Millionen Menschen E-Books. Die Corona-Pandemie hat spürbaren Einfluss auf die Buchkäufe in Deutschland, wie Buchhändler berichten. Wer sich diese Zahlen anschaut, kann nicht umhin zu vermuten, dass es seit dem Frühjahr 2020 mindestens eine große Stabilität im Kulturbetrieb darin gab, Bücher zu lesen. Eine Libri-Sprecherin hatte in einem Interview gesagt, dass die Bücher, die inländische Fahrrad- und Wandertouren beschreiben, sehr beliebt waren, was sich in den Bewegungsprofilen der Deutschen während der Corona-Krise widerspiegelt. Aber warum sind Bücher noch gefragt, wenn Streaming-Plattformen wie Netflix, Amazon Prime und Disney+ rasant weitere Marktanteile einholten?

Mit dem Schriftsteller allein sein

Wer in jungen Jahren das Lesen lieben lernte, hat auch oftmals als Erwachsener noch den inneren Glauben an die Bücher und ihre Magie. Bücher haben ihren eigenen Wert. Neben anderen Kunst- und Kulturrichtungen wie Theater, Kino und Malerei sind es Bücher, die vor allem eines schaffen: Wer ein Buch zur Hand nimmt, steht am Ende in einem engen Verhältnis zu seinem Autor. So sind Bücher auch als Dialoge zu sehen, die zwischen der Schriftstellerin oder dem Schriftsteller und dem Lesenden passieren. Dass diese Gespräche zudem inniglich sind, weil sie nur zwischen beiden im Kopfe geschehen, das ist vermutlich das eigentliche Geheimnis der Kraft der Literatur. Nun ist es so, dass die Pandemie viele Menschen auf Distanz zueinander brachte. Wer nicht mehr intensiv von seiner Familie und seinen Freunden umgeben war, hatte das Erlebnis beim Lesen, dort einen Freund oder eine Freundin zu finden. So ist diese psycho-soziale Erklärung ein Grund, warum das Buch bis jetzt nicht dem Untergang geweiht ist. Es ist eine Stütze in einer Brückenzeit bis zum Ende der Pandemie geworden, für sich mit den Schriftstellerinnen und Schriftsellern der Welt innig zu sein und damit auch eine Form, diese große Krise zu meistern. Mit denen, die Krisen kennen, den verstorbenen und lebenden Literatinnen und Literaten dieser Welt.

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