PPR-NEWS

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KW 47/2020

Was es für den Ruf unseres Landes bedeutete, wenn der Impfstoff aus Deutschland käme

Es ist im Grunde nicht wichtig, wer der Erste war

Das leitende Ehepaar und das Team von Biontech haben eine Phase in der Suche nach dem Medikament erreicht, dass sie eine über neunzig-prozentige Immunität gegen Covid-19 vermeldeten. Dass Russland bereits früh einen Impfstoff präsentierte, der nicht den Standards entsprach und der US-Präsident sich als Heilsbringer aufspielte, zeigt, wie der Impfstoff als Marketing-Produkt instrumentalisiert wird – worunter auch die Wahrheit leidet. Dabei sollte der Schutz aller Menschen im Vordergrund stehen. Was mich mit Biontech verbindet, ist das Rationale, das in ihrer Arbeit liegt und nun einen ersten großen Erfolg für ein phänomenal großes Problem unserer Zeit darstellt: die Menschheit gegen Corona wirksam zu impfen. Wir wissen, was Thesen sind, was das Hinterfragen ist und vor allem, was Tatsachen sind. Alles andere, was uns die Populisten in der weiten Welt verkaufen wollen, ist mit der Nachricht aus Mainz zu ein paar Momenten an Ruhe geronnen. Der Ruhe, dass wir es noch können, die Wissenschaft schätzen. Und dass es „Made in Germany“ ist, darf uns ein wenig stolz machen.

Deutschland wird multilateral und nicht egoistisch helfen

Es ist auch aus einem anderen Grund wichtig, dass der Impfstoff hierzulande weit vorne ist. Die Europäische Union hat es vorgemacht. In einem abgestimmten Verfahren zwischen der Kommission, Biontech und dem Kanzleramt war erklärt worden, dass es bereits Verträge gibt, um alle Bürgerinnen und Bürger impfen zu können. Es geht um Millionen von Millionen von Ampullen. Die Arbeit wird schwierig sein, alle, die es wollen, vor den Gefahren von Covid-19 durch die Impfung zu schützen. Dass zugleich die EU automatisch, generisch, in fester Überzeugung an alle auf diesem Kontinent dachte, die vom Erfolg der Mainzer profitieren, ist keine Kleinigkeit. So zeigt sich auch, dass die Verbreitung von Biontech über das US-Unternehmen Pfizer als multinationales Projekt aufgesetzt ist, das bis nach Afrika und in alle Regionen den Impfstoff führen soll. Vielleicht schauen ein paar der Anhänger von Populisten darauf, wie Europa handelt und hinterfragen ihre Nähe zu den (männlichen) Mächtigen, die alles mit Füßen treten, was wir mühsam in 200 Jahren der Aufklärung aufgebaut haben. Heute sei nur zu sagen: Chapeau nach Mainz! Und wenn dies eine Firma von Größe wird, dann kann es dem Ehepaar nur zu gönnen sein. Denn eines geht Populisten wirklich ab: es anderen zu gönnen, wenn sie besser sind.

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