PPR-NEWS

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KW 45/2020

Warum die Frankfurter Allgemeine Zeitung für mich in diesem Krisenjahr die Zeitung meiner Wahl geworden ist

Wie sich der Journalismus selbst zerstörte

Zeitungen und Zeitschriften haben in den letzten zwanzig Jahren viel an Auflage verloren. Das ist der Kern, warum heute viele unter ihnen in eine Abwärtsspirale geraten sind. Wenn die Ressourcen zur Arbeit von Redakteuren und Reportern weniger geworden sind, leidet die Qualität. Leidet die Qualität, fragen sich Leser, warum sie ihre Zeitung oder ihre Zeitschrift weiterhin bezahlen sollen. Zuvor war es aus einem anderen Grund schwierig für den Journalismus geworden. Seit Beginn der neunziger Jahre verlangten die Inhaber der Verlagshäuser eine stets höhere Rendite von ihren Medienhäusern, was die Abwärtsspirale im Vorfeld der fehlenden Ressourcen auslöste. Seit vielen Jahren gehen gestandene Redakteure selten in Recherchen, wie sie davor möglich waren. Als ein Peter Scholl-Labour in den Sechzigern Auslandsbüros einrichtete, hatte er mit ausreichend Mitarbeitern und Geld eine starke Basis geschaffen. Auslandsbüros waren in aller Welt gut aufgestellt und sendeten mit hohem Sachverstand zum Beispiel in die Fernsehstuben Deutschlands. Wer heute erlebt, dass viele Redakteure nicht einmal auf Pressekonferenz gehen, weil ihnen dazu die Zeit fehlt, erahnt, wie bedürftig es um die Qualität des Recherchierens und Informierens bestellt ist. Das Internet beschleunigte die Abwärtsspirale.

Es gibt weiterhin gute Zeitungen

Unter Zeitungen und Zeitschriften gibt es ein Phänomen. Leser wechseln diese kaum. Jahrzehntelang las ich die Spiegel-Hefte und dann die Online-Ausgabe. Schließlich stellte ich fest, dass mich dieses Medium unzureichend informierte und als Nachrichtenmagazin für mich keine Bedeutung mehr hatte. So wurde ich in diesem Jahr zum Leser einer anderen Zeitung. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist nun meine tägliche Pflichtlektüre geworden. Sie vermittelt viel Wissen und Bildung. Sie trennt Meinung und Bericht. Sie hat ein Feuilleton, das ihresgleichen in Deutschland sucht und wirkt, als sei es die letzte Festung in einem Gewitter von Häppchenjournalismus. Ihre Kommentatoren begründen tief und nachvollziehbar, was das Ergebnis ihrer argumentativen Analyse ist. War das eine Kaufempfehlung? Ja, das war sie. Braucht die FAZ so etwas? Nein, braucht sie nicht. Ob ich ihren Werbespruch – „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf" – einlöse, ist eine andere Frage. Dass sie mich darin schult, täglich klüger zu werden, ist der Gewinn für den Preis, den ich für die FAZ heute gerne zahle.

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