PPR-NEWS

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KW 42/2020

Wieso wir mit Frau Dr. von der Leyen einen Glücksfall in Brüssel haben

Das Jahrhundert der Frauen ist ein Glück

Was haben diese Männer gemeinsam? Sarkozy, Hollande, Cameron, Johnson, Berlusconi, Orban und Trump? Diese Männer standen oder stehen an der Spitze ihrer Länder und waren den Aufgaben und den Ansprüchen offener Gesellschaften nicht gewachsen. Ohne Zweifel ist es so, dass viele Männer in vielen Positionen wenig Gutes bewirkten. So ist die Diskussion darüber, ob Frauen es besser machten, sowohl alt und neu und doch anders heutzutage. Seit Jahrzehnten ergreifen Frauen Macht und Meinung und Taten. Wer in diesen Tagen nach Belarus schaut, erkennt, dass die Freiheitsbewegung sehr durchgängig von sehr mutigen Frauen getragen wird. Wer nach Russland schaut, sieht die Mütter der gefallenen Soldaten und Söhne, für die sie auf die Straße gehen. Wer nach Afrika schaut, erfährt von Frauen, die alte Traditionen beenden wollen, weil diese sie beschneiden. Wer in die USA schaut, hat jetzt die Wahl, eine beherzte Frau in das Amt der Vize-Präsidentin zu wählen. Wer nach Arabien schaut, erkennt, dass Frauen, denen selbst das Autofahren verboten ist, sich sehr mutig an das Steuer setzen. Wer in viele Länder schaut, erkennt, dass Frauen nicht mehr gewillt sind, das mit sich machen zu lassen, was mit wenigen Worten zu beschreiben ist: von Männern schlecht behandelt zu werden.

Tatsächlich ein Loblied auf eine Politikerin

Es gab eine Politikerin in Deutschland, der viele Vorurteile entgegenschlugen. Als Tochter eines konservativen Ministerpräsidenten hätte sie es leicht gehabt. Als mehrfache Mutter hätte sie Nannys gehabt, die ihr die Erziehungsarbeit abnahmen. Als Doktorandin der Medizin sei es ihr leichtgefallen, dazu auch in Los Angeles zu sein. Die Rede ist von Frau Dr. von der Leyen. Berufen nach Berlin, war sie zuerst eine tatkräftige Bundesfamilienministerin, bevor sie sie an die Spitze des Bundesverteidigungsministeriums wechselte. Dort enttabuisierte sie mutig etwa die Meinung, dass es unter den Soldaten keine rechtsradikalen Tendenzen gäbe und ging klar dagegen vor. Nun steht Frau von der Leyen an der Spitze der Europäischen Kommission. Sie hat sich eine Agenda gegeben, die klar nach vorn schaut. Zum einen Europa klimafest zu machen. Zum anderen Europa zusammen zu halten, ohne Rechtsstaatlichkeit aufzugeben. Und Europa zu stärken im Kampf der neuen und alten globalen Mächte. Sie sucht sich für ihre Ziele Mehrheiten und setzt das um, was für sie und ihre Mehrheiten richtig ist. Ihr Mut in den letzten Jahren ist belohnt worden. So können auch alle Männer ihr nur Erfolg in schwierigen Zeiten wünschen, in denen wir stehen. Das Jahrhundert der Frauen bricht vielleicht an oder ist bereits da. An ihren Seiten zu stehen, das erscheint mir heute und seit Langem lohnend und eine Aufgabe, der sich auch moderne Männer widmen sollten.

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