PPR-NEWS

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KW 40/2020

Eine Hamburger Legende trotzt wieder einmal allen Widrigkeiten: Wie Corny Littmann dafür kämpft, dass die Theater öffnen

Gelebte Vielfalt in Kunst und Gesellschaft

Cornelius „Corny“ Littmann, 1952 in Münster geboren, zog es aus der beschaulichen Fahrradstadt in die norddeutsche Metropole. Heute ist er ein erfolgreicher Unternehmer, Theatermacher, Schauspieler, Regisseur und LGBT-Aktivist. Bundesweit bekannt wurde Littmann mit seinen Arbeiten als Schauspieler und Kabarettist und auch als ehemaliger Vereinspräsident des FC St. Pauli. Früh war er dort, wo es weh tat: Wer sich um das kümmert, was noch lange nicht gesellschaftlich mehrheitsfähig ist, hat es oft nicht leicht. Erst in der Rückschau ist der Lebenslaufs von Corny Littmann eine Erfolgsgeschichte. Ihm gehören auf St. Pauli zwei Theater, das Schmidts Tivoli und das ältere, kleinere Schmidt Haus. Zudem ging Littmann sehr früh mit seiner sexuellen Orientierung in die Offensive. Bereits 1976 stand Corny Littmann als Mitglied der Theatergruppe Brühwarm mit Themen der zeitgenössischen Schwulenbewegung auf der Bühne. In den Jahren 1990 bis 1993 wurde Corny Littmann unter dem Künstlernamen „Herr Schmidt“ bundesweit bekannt, nachdem die Schmidt Mitternachtsshow in den dritten Fernsehprogrammen ausgestrahlt wurde. Heute setzt sich Corny Littman als LGBT-Aktivist weiterhin für die Gleichberechtigung ein.

Littmann wieder einmal einer der ersten

Das Tivoli war eines der ersten Theater deutschlandweit, das seine Pforten für Zuschauer öffnen durfte, nachdem das Hygienekonzept vom Hamburger Senat abgesegnet worden war. Die Veranstaltungen sehen so aus: Bis die Zuschauer zu ihren Plätzen gelangen, müssen sie einen Hindernis-Parcours überwinden. Nachdem sie die Desinfektions-Station genutzt haben, geht es im Zickzack durch drei verschiedene Eingänge in den Saal, an dem ein Mitarbeiter die Hygieneregeln erklärt. Im Zuschauerraum sieht es Corona-bedingt sehr ausgedünnt aus: Statt 630 dürfen pro Vorstellung derzeit nur 250 Tickets verkauft werden, zwischen den Besucherinseln stehen Spuckschutz-Wände aus Plastik. Theater-Chef Corny Littmann ist dennoch froh, dass er seinen Betrieb seit Anfang Juli wenigstens eingeschränkt führen kann – finanziell lohnen sich die Veranstaltungen kaum: „Rentieren wäre der falsche Ausdruck", so Littmann. „Aber wir erhalten Unterstützung von der Hamburger Kulturbehörde und deshalb halten wir den Kopf über Wasser." Sein Haus sei in der privilegierten Lage, dass 2019 das erfolgreichste Jahr in der Geschichte des Theaters gewesen sei, und deshalb Rücklagen gebildet werden konnten, sagt Littmann. Dort, wo der Hamburger Jung derzeit öffentlichkeitswirksam auftritt, erklärt er seine These: Wenn Berlin nicht verstünde, dass Kultur systemrelevant ist, verlieren wir schon bald deren Vielfalt, egal, wie sehr sich Künstler gegen Krisen stellen.

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