PPR-NEWS

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KW 06/2020

Verständlich oder korrekt? Die Herausforderung des Genderns in der Kommunikation aus Sicht eines PR-Managers

Eine männliche Sprache

Die Gleichberechtigung ist ein wichtiges Streitthema, das auch vor der Schrift keinen Halt macht. Doch das generische Maskulinum, also ein männlicher Begriff, der für die Allgemeinheit steht, ist so tief in unserem Sprachgebrauch verankert, dass grundlegende Reformen oftmals auf unfruchtbaren Boden treffen. Das Problem beginnt schon bei der Definition des generischen Maskulinums, das wie eine heilige Schrift zur Auslegungssache geworden ist: Manche Sprachwissenschaftler sehen es als inkludierend und damit geschlechtsneutral, schreibt der Tagesspiegel. Bei Personenbezeichnungen, so das andere Lager, gäbe es jedoch sehr wohl ein Geschlecht. Die flächendeckende maskuline Form sei erst im 20. Jahrhundert der Standard geworden. Die SZ berichtet hingegen, die feminine Form entstand mit der wachsenden Emanzipation. Früher gab es eben nur Ärzte, später auch Ärztinnen. Bezeichnet wurden und werden sie trotzdem als Männer. So oder so: Zu Recht umfasst die Debatte zur Gleichberechtigung die Sprache.  Das Gender-Sternchen steht seit einigen Jahren als möglicher Kompromiss am Spielfeldrand, wird jedoch nur selten ausgewählt. Dabei symbolisiert es nicht nur Männlein und Weiblein, sondern alle Geschlechter. Für manche also unnötig, da das generische Maskulinum diesen Zweck bereits erfüllt, für andere die aktuell beste Alternative.

Kurz, klar und bildhaft

Auch in der PR gelten die Worte des renommierten Journalisten Joseph Pulitzer, kurz, verständlich und bildhaft zu schreiben. In diesem Leitsatz wird bereits der innere Gender-Konflikt vieler PR-Manager sichtbar. Die Erweiterung eines Textes um das weibliche Geschlecht zieht diesen in die Länge und stört obendrein den Lesefluss. Gleichzeitig soll der Text aber auch zu jeder Person durchdringen. Würden sich männliche Ärzte eine Pressemitteilung durchlesen, wäre in den ersten Zeilen nur von Ärztinnen die Rede? Und wenn jemand bildhaft schreibt, welches Bild wird mit dem generischen Maskulinum erzeugt: ein umfassendes oder ausgrenzendes? Momentan oftmals eine Frage der Ansichtssache. Erste Hilfe könnte in unterschiedlichen Gender-Stilen je nach Produkt liegen. Eine Pressemitteilung ist bestenfalls kurz und nur mit dem wichtigsten Inhalt gefüllt. Hier eignet sich das Gendern weniger, auch wenn das Sternchen einen guten Kompromiss bietet, da es die Zeichenzahl nur leicht in die Höhe treibt. In einer Mitarbeiterzeitschrift, die etwas mehr Gestaltungsfreiraum bietet und an die eigene Belegschaft adressiert ist, ist das Gender-Sternchen vielleicht besser aufgehoben. Streng genommen wäre es dann aber eine Mitarbeiter*innenzeitung. Gleichberechtigung ist und bleibt eben ein komplexes Streitthema, über das auf jeden Fall weiter diskutiert werden muss.

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