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KW 47/2019

Sparen lohnt nicht mehr: Warum zu einem der wichtigsten Themen dieser Zeit kaum Kommunikation in den Medien stattfindet – eine Analyse

Deutschland spart, aber ist das klug?

Bankkunden leben heute in einer verkehrten Welt. Sparer erhalten kaum noch Zinsen, teilweise müssen sie sogar Geld zahlen, um ihr Erspartes bei der Bank anzulegen. Wenn dazu die festverzinslichen Anlagen unterhalb der Inflation liegen, verlieren Kunden Geld. Dennoch kommt eine Kantar-Umfrage im Auftrag der Postbank zu dem Ergebnis, dass immer noch drei von vier Deutschen, entsprechend 74 Prozent, regelmäßig Geld zurücklegen. Im Vorjahr hatte die Sparquote mit 76 Prozent nur einen wesentlich höheren Wert. Der Anteil der Sparer an der Gesamtbevölkerung ist unverändert auf einem hohen Niveau. Das Girokonto ist die beliebteste Anlageform. Dort legt jeder zweite Deutsche sein Geld an, gefolgt vom Sparkonto auf Platz zwei. Viele Deutsche setzten weiterhin auf das Sparen, trotz der düsteren Aussichten. Möglicherweise auch, weil sie es nicht besser wissen. Trotz der vielen Betroffenen ist bisher wenig über die Thematik berichtet worden. Woran liegt das? 

Fürs Sparen bestraft – kein Zukunftsszenario

Das Sparen hat an öffentlicher Aufmerksamkeit verloren. Neben der Einstufung als zu wenig relevant könnte die Müdigkeit der Medien aus der zeitlichen Dauer resultieren. Bereits seit Jahren wird den Sparern eine düstere Zukunft prognostiziert. In den Wirtschaftsressorts wird eher wiederholt über die Krise bekannter Automarken berichtet, statt über Probleme einzelner Sparer. Doch der aktuelle Monatsbericht der Deutschen Bundesbank zeigt deutlich: Es ist kein Problem einzelner. So schreibt das Handelsblatt, dass 23 Prozent der befragten Banken die Giro- und Tagesgeldkonten ihrer Kunden mit einem Strafzins belasten. Davon ist ein Viertel der gesamten Spareinlangen privater Haushalte betroffen. Und Unternehmenskunden geht es nicht besser, so das Handelsblatt weiter. Sie werden sogar von 58 Prozent aller Banken belastet. Vielleicht denken jetzt viele, dass nur private Großbanken so frevelhaft agieren. Doch auch Sparkassen, Genossenschaftsbanken, die Volksbank Raiffeisenbank – sie machen den Sparer zum Dummen. Sparen lohnt nicht mehr in Zeiten, in denen Bankkunden für Fleiß und Sparsamkeit bestraft werden. Eine kluge Pointe wie in Aldous Huxleys Klassiker »Schöne neue Welt« oder George Orwells »1984« suchen wir (noch) vergeblich. So muss der Groschen erst noch fallen.

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