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KW 46/2019

Warum eine Frau etwas durchgestanden hat, was Männer noch längst nicht durchgestanden hätten: das Leben der Treuhandchefin Birgit Breuel

Der schnelle politische Aufstieg von Birgit Breuel

Birgit Breuel vollzog als Präsidentin der Treuhandanstalt die Privatisierung der DDR-Wirtschaft, stets begleitet von scharfer Kritik. Heute lebt sie zurückgezogen im Hamburger Westen. Bis dahin hatte sie ein aufregendes Leben, verwoben mit der deutschen Geschichte. Ernst Albrecht holte sie Ende der 70er Jahre als bis dahin nahezu unbekannte Politikerin nach Niedersachen. Dort war sie Ministerin für Wirtschaft und Verkehr und die erste Frau in der deutschen Politik, die sich ein breites politisches Themenspektrum erarbeitete. Schon ihr Vater Alwin Münchmeyer, Hamburger Privatbankier und Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages, hatte einen wichtigen Anteil am Wirtschaftswunder. Breuel studierte Politikwissenschaft, jedoch ohne Studienabschluss. Sie war Direktionsassistentin beim Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv und in New York. Während der Demonstrationen Mitte der 60er Jahre trat Breuel in die CDU ein.

Als Treuhandchefin gegen alle Kritiker

Nach acht Jahren im Wirtschaftsministerium übernahm sie das Finanzresort. Nachdem sie im Herbst 1990 einen Vorstandsposten bei der Treuhandgesellschaft übernommen hatte, wurde sie kurze Zeit später Treuhandchefin. Über die Treuhandanstalt wurden die DDR-Betriebe privatisiert, saniert oder stillgelegt. Der Prozess wurde stets begleitet von scharfer Kritik, der sie aber beharrlich entgegentrat. Rückblickend sagt Breuel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: »Ich fand den Weg, für den sich ganz Deutschland damals entschieden hat, grundsätzlich richtig. Das denke ich auch heute noch.« Nur über die Privatisierung seien Innovationen und Kapital in die Betriebe gekommen. Im Osten seien wirtschaftlich sehr erfolgreiche Regionen entstanden. Breuel würdigt im Interview mit der FAS die Leistung der Menschen im Osten: »In Westdeutschland wäre es nicht möglich gewesen, den Leuten eine Veränderung dieses Ausmaßes zuzumuten. Sie hätten das nicht durchgehalten.« Mit genau dieser Beharrlichkeit bringt sie sich weiterhin in der von ihr zu Ehren ihres verstorbenen Sohnes gegründeten Stiftung ein, die mit Kunstprojekten Kindern aus ärmeren Hamburger Gegenden neues Selbstvertrauen schenken soll. Prominent sind auch die Namen der Unterstützer: Lambsdorff, Von Dohnanyi, Oetker. Beharrlichkeit zahlt sich eben aus.

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