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KW 45/2019

Wie der Winter Ruhe und Einkehr schafft: eine kleine Geschichte der vierten, unterschätzten Jahreszeit in Deutschland

Der Winter: Stimmungskiller oder nützlich?

Umfragen zeigen: Nur ein kleiner Teil der Deutschen empfindet den Winter als liebste Jahreszeit. Meist wird mit ihm eine dunkle und schwermütige Zeit assoziiert. Doch der Winter kann mehr sein und auch zum Nachdenken anregen. Es schneit immer weniger und seltener, kein Eis ist mehr ewig, in Zeiten des Klimawandels werden die Wintertage hierzulande ohnehin immer weniger. Die Autorin Barbara Schaefer hat dem Winter, aus Liebe zu der Jahreszeit, ein eigenes Buch gewidmet. Ein Forscher berichtet darin, dass der Mythos der Winterdepression nicht zutrifft: »Es gibt keine Winterdepression, eine lange Kälteperiode schlägt nicht zwangsläufig aufs Gemüt. Je nördlicher man in Norwegen lebt, desto mehr freuen sich die Leute auf den Winter.«  Dabei sorgt doch der Winter besonders in den skandinavischen Ländern für wochenlange Dunkelheit und Kälte mit teils zweistelligen Minustemperaturen.

Die Skandinavier als Vorbild

Jedoch haben die Skandinavier ein passendes Gegenmittel gefunden, das zeigt, wie schön wir es uns im Winter machen können: Es gibt ein dichtes Kulturprogramm, man geht aus, trifft sich mit Freunden, macht es sich zu Hause gemütlich und stellt überall Lichter auf. Dass auch der Alltag im Winter bei Dunkelheit und eisigen Temperaturen bewältigt werden kann, berichtet ein Bauarbeiter im Buch von Barbara Schaefer: »Man arbeitet 15 Minuten, dann huscht man rein und wärmt sich 15 Minuten auf. So geht es den ganzen Tag.« Man kann den Umgang mit dem Winter lernen und sich anpassen. Zudem können wir den Wandel der Jahreszeiten auch als etwas Positives auffassen. Wenn man sich an Kälte und Dunkelheit gewöhnt hat, wird es auch schon wieder heller. Das ganze Jahr über Sommer könnte ziemlich eintönig werden. Die Abwechslung kann auch als faszinierend und bereichernd gesehen werden. Der Winter schafft Freiräume, ein Buch zu lesen, inne zu halten und zur Ruhe zu kommen. Wir sollten uns mehr auf den Winter einlassen und uns ihm anpassen. Es könnte sich lohnen und richtig guttun. Wir probieren es aus.

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