PPR-NEWS

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KW 43/2019

Wie wir unsere Worte neu einkleiden und unsere Kommunikation verändern: Gedanken zur politischen Korrektheit

Die Veränderung der Sprache

Die einen bedauern, sie wissen nicht mehr, was sie noch sagen dürfen. Die anderen beklagen die zunehmende Verrohung der Sprache. Über politische Korrektheit wird derzeit kontrovers diskutiert. Das Leitmotiv der Sprache hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert: Jeder möchte recht haben. Andersdenkende werden stigmatisiert und etikettiert. Man möchte sie an einer eigenständigen Denkfigur hindern. Viele Deutsche haben mittlerweile Sorge, sich nicht mehr frei in der Öffentlichkeit äußern zu können. Renate Köcher vom Institut für Demoskopie Allensbach sagte in der Welt: »Annähernd zwei Drittel der Bürger sind überzeugt, man müsse heute sehr aufpassen, zu welchen Themen man sich wie äußert«. Auch in der Politik ist der Diskurs um politische Korrektheit angekommen. So kritisiert der Innenminister von Niedersachsen, Boris Pistorius, auf der Regionalkonferenz der SPD, dass während der 23 Regionalkonferenzen Denk- und Sprachverbote gegolten hätten. »Wir dürfen diese Themen nicht unter den Tisch fallen lassen. Denn die Leute trauen uns nur die Lösung von Problemen zu, über die wir auch reden«, so Pistorius.

Politische Korrektheit ja, aber richtig

Der Schriftsteller und Lyriker Matthias Politycki äußert sich in der Welt besorgt: Ein verstärkter Vorab-Meinungsdruck führe dazu, dass manche Leute erst zu reden anfingen, wenn die Zeit sehr fortgeschritten und der Alkoholpegel angestiegen sei: »Dann kommen von denselben Leuten ganz andere Wahrheiten – und das finde ich erschütternd.« So sollten wir wieder an einer Kultur der offenen Worte arbeiten. Wir sollten uns unsere Meinung bilden, ohne die Andersdenkenden herabzusetzen. Dabei dürfe aber nicht verkannt werden, dass Wahrheiten sich schnell ändern. Wir müssen uns wieder stärker bewusst machen, was politische Korrektheit ausmacht. Politische Korrektheit bedeutet Rücksicht und Empathie. Sie stellt sicher, dass die Sprache frei von Diskriminierung bleibt. Es geht bei politischer Korrektheit nicht darum, anderen Sprachvorschriften zu machen oder Meinungen zu verbieten. Doch die Geschichte hat gezeigt, dass es wichtig ist, abwertende Sprache zu verbieten, ohne dabei Diskussionen und Meinungen zu beschränken.

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