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KW 38/2019

Wieso unsere Nation das Land der Automobile geworden ist (und nicht das Land der Schönheit wie Italien): Der deutsche Verkehr in all seinen Widersprüchen

Deutschland. Das Automobil als nationaler Mythos

Die Zahl der Autogegner wächst. Sie sehen das Automobil als Klimakiller. Dennoch ist Deutschland abhängig von der Automobilindustrie, stärker als von jedem anderen Industriezweig. Auch von politischer Seite aus wird die Automobilbranche weiterhin gestärkt, so sagt die CDU Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer in einem Interview mit der Zeit: »Die Automobilindustrie hat heute einen Anteil von 20 Prozent am verarbeitenden Gewerbe. Einer der Kernbestandteile unserer industriellen Stärke und daran hängen hunderttausende Arbeitsplätze.« Darüber hinaus waren Personen wie Carl Benz und Ferdinand Porsche prominente Vertreter der deutschen Automobilindustrie und medial vertreten. Das Auto steht außerdem für den wirtschaftlichen Wiederaufstieg nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit wohl kaum einem Gegenstand führen die Deutschen eine so intensive Beziehung wie mit ihrem Auto. Unsere Nation ist das Land der Automobile.

Das Auto wird zum Ausdruck der eigenen Identität  

Anfang des 20. Jahrhunderts war das Auto noch ein Privileg, das nur den Reichen vorbehalten war. Heute ist es ein Massenobjekt, die Straßen in Deutschland sind überlastet. Nur hierzulande ist das Fahren ohne Tempolimit und Grenzbelastung noch erlaubt und ermöglicht vielen Fahrern ein Gefühl der Freiheit. Wer auf deutschen Straßen unterwegs ist, bekommt schnell den Eindruck, dass es oftmals wohl einen Drang nach Selbstbehauptung zu geben scheint. Die anderen Fahrer werden gerne mal beschuldigt, wenn es nicht voran geht. Vielen Deutschen geht es um mehr, als nur von A nach B zu gelangen. Das Auto ist meist Ausdruck der eigenen Identität. Solange diese intensive Beziehung bestehen bleibt, werden Wandlungen in der Branche kompliziert. Es wird entscheidend sein, zu erkennen, dass es nicht wichtig ist, dass wir fahren, sondern wohin wir fahren.

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