PPR-NEWS

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KW 34/2019

Ich bin im Wohnzimmer nicht mehr alleine, auch wenn ich das möchte: Über das Geschäft und die Gefahr heutiger Spracherkennung

»Hey Siri«, hör mir mal zu

Fast jeder von uns hat einen intelligenten persönlichen Assistenten – zumindest die, die ein Smartphone besitzen. Mal heißt dieser Assistent Siri, mal Alexa oder Cortana. Name hin oder her, sie alle haben denselben Job: Sie unterstützen und assistieren uns in unserem täglichen Leben, geben uns nützliche Hinweise und sprechen mit uns. Dahinter steckt eine Software, die aufgrund von Spracherkennung eine Sprachanalyse vollzieht, diese logisch verarbeitet und als Ergebnis eine Antwort formuliert. Die Assistenten können so Nachrichten oder E-Mails schreiben und verschicken oder Lieferungen beauftragen. Darüber hinaus werden immer mehr Häuser und Wohnungen über Sprachassistenten wie Amazon Echo, Google Home oder Apple HomePod gesteuert. Sei es das Bedienen der Lichtschalter, der Haushaltsgeräte oder der Heizung. Rund 15 Prozent der Bundesbürger mit Internetzugang nutzen in ihrem Alltag bereits intelligente Sprachassistenten in ihrem Haus, Tendenz steigend, zeigt ein aktueller »Trendmonitor Deutschland« des Marktforschungsinstituts Nordlight Research. Ziel dieser Sprachassistenz ist es, einen möglichst nahtlosen und vertrauenswürdigen Sprachdialog zwischen Mensch und Maschine herzustellen.

Jemand, der niemals geht

Neben all den Vorteilen, die persönliche Assistenten mitbringen und unser Leben in gewisser Weise erleichtern, steht die Spracherkennungen zunehmend in Kritik. Denn nicht nur „belauscht“ die Software durchgängig ihre Nutzer, um auf ihren Einsatz zu warten, wie heise online berichtet. Laut Spiegel Online erleichtert ein durchgängiges Zuhören zudem das Erfassen personenbezogener Daten zu Werbezwecken. Hinzu kommt jedoch, dass nicht nur die Software mithört, sondern laut Tagesspiegel auch Menschen. Apple beispielweise soll ausgewählte Aufnahmen der Sprachassistentin Siri von Menschen abtippen lassen. Begründet hatte Apple dies mit dem Ziel, die Qualität der Spracherkennung zu verbessern. Den Nutzern war diese Praxis jedoch weitgehend unbekannt und sorgte so für Bedenken. Denn neben einer digitalisierten Assistentin, die mit uns im Wohnzimmer sitzt, gesellt sich nun auch noch ein realer Mensch dazu, der zum Teil sehr private Details aus dem eigenen Leben mitbekommt. Zwar kündigte Apple an, künftig die Erlaubnis der Nutzer einzuholen, bevor Menschen die Siri-Mitschnitte anhören dürfen. Bis dahin herrscht jedoch ein gewisses Unbehagen, nicht allein sein zu können. Selbst wenn es sich physisch so anfühlt.

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