PPR-NEWS

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KW 31/2019

Endlich mal was Neues: Wieso es gut ist, dass das diesjährige mediale Sommerloch nicht ausgehoben wird

Saure-Gurken-Zeit

Eine Metapher, die aus dem Ende des 18. Jahrhunderts stammt, beschäftigt die Medien jedes Jahr aufs Neue: die Saure-Gurken-Zeit. Da früher im Sommer kaum Geschäfte getätigt wurden, wurde die Zeit genutzt, um die Gurken für den Winter sauer einzulegen. Später wurde dieses Sprichwort auch auf die Medienberichterstattung in den Sommermonaten übertragen. Heute nutzen Redaktionen für diese Zeit oft einen anderen Begriff. Die Rede ist vom sogenannten Sommerloch. Das immer auf natürliche Weise wiederkehrende Phänomen beschäftigt die Redaktionen vieler Tageszeitungen stets zur gleichen Jahreszeit, wenn Parlamente, Ausschüsse, Fußballstadien, Schulen und Universitäten in die großen Sommerferien gehen. Es scheint, als würde zu dieser Zeit weniger in der Welt passieren. Den Sommer nutzen viele Journalisten daher, sich von gewohnten Berichterstattungsmustern zu lösen und eigene Themen in Angriff zu nehmen, die nicht ereignisbezogen sind. Während diese Zeit also gerne den Ideenreichtum der Journalisten fördert, denkt sich manch ein Leser, warum gerade jenes Thema in der Zeitung steht. Genau dann wird das Sommerloch sichtbar.  

Das Smartphone ohne Loch

Dieses Jahr scheint jedoch alles etwas anders zu sein. Vielleicht handelt es sich hierbei auch um einen Prozess, der sich seit den letzten Jahren nun erst richtig bemerkbar macht. Denn in Zeiten von sozialen Medien, Protagonisten wie Donald Trump und einer immer weiter voranschreitenden Digitalisierung verliert der Käse sein Loch. So zeigt sich Trump in diesem Sommer weiterhin provozierend auf Twitter, der Brexit erlebt mit Premierminister Johnson einen neuen Aufschwung und hierzulande ist das Frauen-Trio aus Merkel, von der Leyen und Kramp-Karrenbauer in der Berichterstattung weit vorne im Rennen. Diese und weitere Nachrichten erhalten besonders die Digital Natives regelmäßig via Push-Mitteilungen direkt aufs Smartphone. Und das zu jeder Tages- und Nachtzeit. Eine Nachrichtenarmut kann auf diese Weise nicht entstehen. Oder wird zumindest weniger in das Bewusstsein der Menschen gerückt, als noch zu Zeiten, in denen sich die Menschen lediglich über die Print-Ausgaben ihrer Tageszeitung informieren konnten. Doch gleichzeitig sollten wir uns über das scheinbar fehlende Loch freuen. Denn nicht nur bleiben uns auf diese Weise Artikel über den richtigen Dresscode im Büro bei 36 Grad Celsius oder Testberichte über das beste Eis 2019 erspart. Es zeigt außerdem: Trotz Sommerpause haben wir genug zu tun in diesem Jahr. Langweilig wird uns also sicher nicht.

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