PPR-NEWS

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KW 21/2019

Ein Mann des neuen Journalismus? Wie Gabor Steingart versucht, unabhängigen Journalismus auch in schwierigen Zeiten finanzierbar zu machen

Von Fürsten und Königen des Nachkriegsjournalismus

Als wenige westdeutsche Männer (und noch weniger Frauen) nach dem Zweiten Weltkrieg Lizenzen erhielten, Papier mit Wörtern zu bedrucken, war ihnen damals nicht klar, dass es auch für viele unter ihnen der Beginn einer Millionärskarriere war. Ein Rudolf Augstein, der den »Spiegel« begründete oder ein Henri Nannen, der sehr lange den »Stern« führte. Die Familien Bauer und Burda vereinte eines: Sie alle hatten eine Laufbahn im Wirtschaftswunderland, in dem sie ein besonderes Geschäftsmodell perfektionierten. Zum einen verdienten die Verleger am Verkauf ihrer gedruckten Erzeugnisse. Zugleich verdienten sie am Anzeigengeschäft. Es ist wohl nicht zu vergessen, dass viele der Blattmacher Haltung und Distanz zur Wirtschaft und zur Politik hielten und erst im Nachhinein klar wird, dass ihre Wege nicht vorhersehbar waren. Gleichwohl ist solchen gedruckten Periodika seit langem oft die finanzielle Puste ausgegangen und die Leserschaft abgewandert. So ist der gedruckte Journalismus weder derart stark mit Ressourcen ausgestattet wie ehedem noch erzielen die Verlage Traumergebnisse mit ihnen. Jetzt treten andere auf den Plan. Auch solche, die sich in eine neue Zukunft schreiben wollen.

Von Pionieren, die die alte Zeit erhalten wollen

Einer von ihnen ist der gestandene und erfahrene Journalist Gabor Steingart. Großgeworden im hochwertigen Milieu des Nachrichtenmagazins »Der Spiegel« und auch lange Star der Handelsblatt-Familie, versucht der inzwischen über 50-jährige Autor etwas Neues. Seine E-Mails versorgen seit langem Bildungsbürger und Skeptiker der Gesellschaft und auch einfach solche, die eine pointierte Meinung mit Fakten unterfüttert lesen wollen, mit den Gedanken eines Journalisten. Die sogenannten »Morning Briefings« sind derart beliebt und breit entwickelt, dass Gabor Steingart zum selbständigen Unternehmer geworden ist. Angereichert mit Audio-Podcasts hat er mittlerweile Partner gefunden. Er will im nächsten Jahr auf einem Boot am Kanzleramt entlang auf der Spree schippern und Ereignisse für seine Hörer- und Leserschaft unabhängig journalistisch begleiten. Finanziert wird dies durch Investoren, darunter Axel Springer, mittels Eigenkapital und dem Versuch, dass Leser mit Spenden seine Arbeit würdigen. Es ist ein hoffnungsfrohes Modell der Zukunft, dass Journalismus finanzierbar bleibt und ressourcenstark. Werbung für Gabor Steingart? Ja, durchaus. Und das als einer, der hilft, dass recht freie, offene Gedanken eine offene, freie Gesellschaft erst ermöglichen.

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