PPR-NEWS

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KW 04/2019

Wo nur ist die Rock-Musik geblieben? Wie McCartney, Jagger und Co bis heute den Jungen zeigen, was wirkliche Musikstars sind

Rock’n‘Roll Realness

Kaum eine Band der Welt hat mehr Menschen die Zunge herausgestreckt. Das Logo der Rolling Stones kann wie folgt interpretiert werden: Ihr könnt uns mal. Das gilt damals wie heute. Die Band um Frontmann Mick Jagger hat längst den Legendenstatus erreicht und füllt seit Jahrzehnten Stadien mit gitarrenlastiger Musik. Laut der eigenen Website hatten die Musiker bereits 1962 in London ihren ersten Auftritt, 2019 touren sie immer noch durch die USA. Das einzige Ziel, das noch erreicht werden solle, sei herauszufinden, wie lange die Bandmitglieder noch so weitermachen können wie bisher, sagt Gründungsmitglied Keith Richards. So weitermachen wie bisher, darin liegt wohl der Zauber: den Kultstatus und damit das Alleinstellungsmerkmal lebendig halten. Authentizität, Kredibilität oder eben »Realness« sind Eigenschaften, welche alteingesessene Fans erwarten. Aktuelle Popstars würden sich nicht mit solchen Erwartungen konfrontiert sehen, die Identifikation mit dem Mainstream sei Ordnung, schreibt die Zeit. Heutzutage, so lautet das Thema der Woche, fehlt der Nachwuchs an authentischen Künstlern. Doch herrscht aktuell wirklich eine Star-Sterilität oder muss einfach tiefer gegraben werden?

Ein beatgeschwängerter Protestsong-Remix am Ballermann

Paul McCartney, Depeche Mode, Mick Jagger. Sie alle schreiben und veröffentlichen auch heute noch gesellschaftskritische Lieder. McCartney singt in »Despite Repeated Warnings« von einer fehlgeleiteten Crew, dessen Captain eingesperrt werden sollte, damit es weiter voran gehen könne. Diese Zeilen lassen in Anbetracht aktueller politischer Turbulenzen wenig Interpretationsspielraum. Währenddessen tanzen irgendwo am Ballermann Hunderte zu den Klängen des Partisanen-Songs »Bella Ciao« – zumindest zu dessen Remix. Die Aussage des Songs weicht dem Beat. Nun ist 2018 eine andere Zeit als die 60er Jahre, Protest ist nicht länger Mainstream. So gibt es auch heute noch zahlreiche Künstler verschiedener Musikrichtungen, die soziale Missstände oder das Establishment kritisieren. Nur wird ihre Musik seltener im Radio gespielt. Möglicherweise verhindert auch der leichte Zugang zu einer unendlich wirkenden Masse an Künstlern, etwa über Streamingdienste, die globale Glorifizierung einer Band oder eines Interpreten. Ein Hype überholt den nächsten. »Vielleicht war früher aber auch alles besser«, flüstert leise die Nostalgie.

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