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KW 03/2019

Belohnung und Bestrafung von Verhalten: das höchstgefährliche Konzept des Social Scorings in China

„Crazy Rich Asians“ – oder doch nicht?

Instagram, WhatsApp, Twitter und viele weitere soziale Netzwerke ermutigen, Meinungen mit Freunden und der Öffentlichkeit zu teilen. Diese stimmen dem Inhalt des Beitrags zu, kritisieren oder ignorieren ihn. Ermöglicht wird dies durch das Gesetz der Meinungsfreiheit. Doch nicht überall ist eine solche Freiheit gegeben. Einen kleinen Eindruck dazu bietet die Volksrepublik China. Auch die Chinesen lieben Luxusgüter. Fast die Hälfte der produzierten Luxuswaren werden laut dem Manager Magazin an Chinesen verkauft. In den Genuss des „Luxusgutes Meinungsfreiheit“ kommen Chinesen jedoch nicht, wie der Nachrichtensender BBC beschreibt. Zwar werden auch in China soziale Netzwerke wie WeChat genutzt, ein Äquivalent zu WhatsApp, doch kann dort von einer freien Meinungsäußerung nicht gesprochen werden. Nachdem der chinesische Aktivist Liu Xiaobo starb, schrieb BBC vom Einfluss der Regierung auf WeChat. Weltweit wurden Beileids-Bekundungen im Internet geteilt. Nur auf WeChat wurden keine Informationen zu Liu gefunden.

Social Scoring = soziale Punkte?

Dass die chinesische Regierung seine sozialen Netzwerke überwacht, ist kein Geheimnis. Weniger bekannt ist jedoch ein weiteres System, das sich Social Scoring nennt. Das Ziel dahinter ist laut Deutschlandfunk Kultur, „brave“ Bürger zu schaffen. Das Sozialkreditsystem in China beschreibt ein Überwachungsprogramm, das Daten über seine Bürger sammelt, um die chinesische Gesellschaft zu einem besseren sozialen Verhalten zu erziehen. Ab 2020 wird das System für die Bewohner Pekings verpflichtend eingesetzt, schreibt heise online. Doch welche Daten sammelt die Regierung? Beispielsweise Posts zu Liu Xiaobo, die die Regierung nicht veröffentlichen möchte. Die Folgen für einen chinesischen Bürger, der sich „falsch“ verhält, sind fatal. So haben sie geringere Chancen, einen Job in einer staatlichen Organisation zu bekommen, müssen höhere Steuern zahlen oder dürfen nicht mehr verreisen. Verhält sich ein Bürger jedoch vorbildlich, erhält er Pluspunkte und wird bevorzugt behandelt. Mithilfe des Social Scorings kann der chinesische Staat die Bürger des digitalen Zeitalters bewerten, belohnen und bestrafen.

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