PPR-NEWS

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KW 49/2018

An den falschen Ecken gespart: Das Beispiel #ImplantFiles zeigt erneut, dass in der Medizin ruhig etwas mehr Geld ausgegeben werden darf

Das Sparschwein wird gemästet

Sparsamkeit – eine der vielen deutschen Tugenden. Wie andere Vertreter dieser preußischen Richtlinien ist sie eher situationsbedingt ratsam. Sicherlich ist es richtig, Verschwendung Einhalt zu gebieten, gerade in Zeiten des Klimawandels. Es mag auch löblich sein, lieber Geld für gute Zwecke als für überflüssige Luxusgüter auszugeben. Wo Sparsamkeit allerdings fehl am Platz ist, zeigen die Recherchen des Internationalen Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ). 2017 wurden circa 14.000 Vorfälle mit Medizinprodukten, etwa mit Implantaten und Prothesen, nachgewiesen. Das sind die offiziellen Zahlen, schreibt die Tagesschau. Das erste Problem: fehlerhafte Produkte. Das zweite Problem: Die Dunkelziffer ist laut dem ICIJ deutlich höher. Genaue Daten sind in Deutschland nämlich nicht einsehbar. Anders in den USA, wo die offiziellen Zahlen die vermuteten Dunkelziffern der ICIJ bestätigen. Dort sind 15-mal so viele Vorfälle dokumentiert, das Einwohnerverhältnis mit einberechnet. Aber auch in den USA würden längst nicht alle mangelhaften Produkte oder tödlichen Defekte gemeldet.

Wenn der Herzschrittmacher stolpert

Jeder, der einmal ein Billigprodukt erworben hat, weiß wohl vorab um dessen Mängel. Bei Geräten, die das Herz dabei unterstützen, regelmäßig zu schlagen, ist die Qualität dem Patienten jedoch nicht im Voraus bekannt. Ist sie überhaupt jemandem bekannt? Da laut Bundesgesundheitsministerium 90 Prozent aller Hoch-Risiko-Produkte ohne ausreichende Studien auf den Markt kommen, finden die wichtigen medizinischen Studien erst am Patienten statt – Nebenwirkungen inklusive. Sich auflösende künstliche Bandscheiben sind äußerst schmerzlich, andere Qualitätsmängel können tödlich enden. An dieser Stelle wird deutlich, wie wichtig Transparenz und informationsgestützte Arbeit ist. Der Kunde muss wissen, womit er es zu tun hat und sich darüber hinaus auf die Aussagen der Verantwortlichen verlassen können. Dafür sollte eigentlich gute PR sorgen. In der Medizin entscheiden die richtigen Informationen im wahrsten Sinne des Wortes über Leben und Tod. Hier darf das pralle Sparschwein gerne geschlachtet werden, damit in Zukunft keine Informationen mehr verschwiegen werden müssen.

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