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KW 48/2018

Der schwierige Weg des Joe Kaeser: Warum es für den Siemens-Chef kommunikativ kein richtiges Leben in einem Weltkonzern geben kann

Das wird man doch wohl noch sagen dürfen

326 Millionen aktive Nutzer monatlich. So viele Menschen treiben sich auf dem Kurznachrichtendienst mit dem kleinen blauen Vogel herum: Twitter. Vom einfachen Bürger zum Präsidenten, jeder kann mitlesen, jeder kann mitreden. Gerade letzteres ist sehr beliebt. Auch Chefs von Großkonzernen wagen sich langsam und vorsichtig an den Social-Media-Giganten. Sie bleiben dabei aber entweder oberflächlich oder bewerben geschickt sich und die eigene Firma – politisch wird es dabei eher nicht. Anders beim Siemens-Chef Joe Kaeser: Dieser äußerte beispielsweise seine Meinung über die Flüchtlings- und Asylpolitik der AfD und positionierte sich in einem Twitter-Post deutlich ablehnend gegenüber der rechtspopulistischen Partei. In einem Gespräch mit Journalisten des Club Wirtschaftspresse München gibt Kaeser zu, dass jeder, der sich heutzutage öffentlich äußert, ein gewaltiges Risiko eingehe, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Nun ist an seiner Kritik am Rechtspopulismus wahrlich nichts auszusetzen, wo liegt dann das Problem?

Zwitschern oder nicht zwitschern

Chefs von Großkonzernen müssen internationale Geschäftsbeziehungen mit Ländern pflegen, an deren Spitzen nicht immer Weltverbesserer stehen. Diese Woche befindet sich Kaeser bei einer Konferenz in Saudi Arabien, schreibt das Handelsblatt. 30 Milliarden Dollar können dort bis 2030 verdient werden. Siemens ist langjähriger Partner Saudi Arabiens, solche Beziehungen werden nicht einfach unterbrochen und solche Summen nicht einfach ausgeschlagen. Die Twitter-Posts Kaesers treten jetzt aber in Konflikt mit seinem Verhalten als CEO von Siemens. Er ging das eigens prophezeite Risiko ein und muss nun mit Gegenwind von zahlreichen kleinen blauen Twitter-Vögeln rechnen. Wichtig bleibt dabei, dass beim Konzern kein Schaden entsteht und von dem Twitter-Wind keine Siemens-Mitarbeiter weggetragen werden. In Zukunft kann sich Kaeser überlegen, ob er seinen Weg weitergeht oder sich kommunikativ an andere Chefs anpasst. Denn wer heutzutage in den Sozialen Medien unterwegs ist, muss sich immer eines gewissen Risikos bewusst sein – ob CEO oder nicht.

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