PPR-NEWS

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KW 23/2018

Wieso wir uns unwohl fühlen, wenn China und Arabien deutsche Firmen kaufen, und gut, wenn es der Westen ist

Chinesische Investoren kaufen deutsche Firmen

Die chinesische Regierung hat große Ziele: Bis 2049 soll die Volksrepublik die weltweit führende Industrienation sein. Um dieses Ziel zu erreichen, geben Investoren Unmengen an Geld aus – besonders gerne in Deutschland. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) hervor. 2017 übernahmen Investoren 39 deutsche Unternehmen, 2016 waren es sogar 44. Chinesische Konzerne kaufen seit Jahren Firmen im Ausland. Dass sie damit nicht nur neue Märkte eröffnen wollen, strategische Partner suchen oder einfach nur ihr Geld anlegen, ist kein Geheimnis. Es geht darum, technisches Wissen zu erlangen und sich Patente zu sichern. Auch die deutsche Regierung will geplante Übernahmen nun genauer kontrollieren. Denn durch die strategischen Ziele der Regierung besteht die Gefahr unproduktiver Investitionen.

Nicht der einzige Investor

»Es ist dringend notwendig, dass wir noch in diesem Jahr EU-weit ein schärferes gesetzliches Instrument an die Hand bekommen, um Übernahme-Fantasien sowie Technologie- und Know-How-Abfluss wirksam entgegenzutreten«, zitieren die Medien Matthias Machnig, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Gekauft wird, um die technische Aufrüstung im eigenen Land zu gewährleisten, aus Bereichen wie beispielsweise der Luftfahrt, Chemie oder Medizintechnik. Da dies überwiegend Industriezweige sind, in denen deutsche Hersteller sehr stark sind, erklärt sich auch der rege Ankauf deutscher Firmen aus dem chinesischen Raum. Doch nicht nur fernöstliche Länder kaufen in Deutschland: Neben der Schweiz und Großbritannien zählen auch Firmen aus den USA zu den größten Investoren. Darüber wird jedoch kaum gesprochen. Einerseits wird es daran liegen, dass westliche Firmen andere Unternehmen nicht mit dem Hauptziel kaufen, Wissen abzuschöpfen. Andererseits liegt es gewiss aber auch an der generellen Vorsicht, mit der wir der östlichen Welt auch heute noch oft begegnen. Den Westen leben wir. Den Westen kennen wir. Ob wir dem Reich der Mitte vertrauen sollen oder in China Vertrauen finden werden, hängt nicht allein von uns ab, sondern auch von der Art und Weise, wie Chinas Sendungsbewusstsein ausfällt: aggressiv oder kooperativ, multilateral oder unilateral. Es gilt wie immer: Die gemeinsame Zukunft ist offen.

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