PPR-NEWS

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KW 21/2018

Lasst uns einen Apfelbaum pflanzen: Das Geschäft mit der Natur in der immer wieder kommenden Frühlingszeit

Der Markt blüht

Rund 35 Millionen Deutsche haben einen Garten. Das ist eine enorme Fläche, die bepflanzt und alle Jahre wieder im Frühling begrünt werden will. 2017 gaben die Deutschen rund 8,6 Milliarden Euro für Zierpflanzen aus. Pro Kopf gerechnet sind das 104 Euro, die pro Jahr für die heimische Bepflanzung ausgegeben werden. Bedenkt man, dass viele Menschen so gut wie gar kein Geld ins Grün investieren, kommen bei einigen Gartenbesitzern wiederum stolze Summen zusammen. Wenn nach den »Eisheiligen« der Run auf die Gartencenter und -abteilungen in den Baumärkten einsetzt, sind viele auf der Suche nach besonders stattlichen Exemplaren mit vollen Blüten in leuchtenden Farben. Doch wie im Supermarkt, beim Kauf beispielsweise von Äpfeln, gilt auch hier: die schönsten sind oft nicht die natürlichsten. Im Kampf gegen Schädlinge kommen auch im Zierpflanzenbau – neben enormen Wassermengen – zahlreiche Pestizide zum Einsatz und im Gegensatz zur Landwirtschaft gibt es hier keine klaren Grenzwerte. Der Bayerische Rundfunk berichtete bereits vor einiger Zeit von starken Schadstoffbelastungen bei Zierpflanzen. Laut einer Studie der Umweltschutzorganisation Greenpeace waren sogar 79 Prozent der untersuchten Zierpflanzen mit bienenschädlichen Schadstoffen belastet. Kann das heimische Biotop also gar zum Umweltproblem werden?

Wie man’s macht…

Das Insekten- und insbesondere Bienensterben ist inzwischen wohl kein abstruses Horrorszenario mehr, sondern als Thema in der Mitte der Gesellschaft – und Wirtschaft – angekommen. Vor wenigen Tagen erst räumte ein Discount-Supermarkt in Hannover mehr als die Hälfte seiner Produkte aus den Regalen, um zu zeigen, dass es diese Dinge ohne Bienen gar nicht gäbe. Zahlreiche Studien zeigen wiederum, dass Bienen in urbanen Gebieten beispielsweise mehr Honig produzieren als in ländlichen Räumen und sich städtische Populationen gut entwickeln. Dies führen Experten nicht zuletzt auf die Vielfalt der Flora in städtischen Gebieten zurück, die oft größer ist als auf dem Land. Es gilt also nicht: Wie man’s macht, man macht es falsch. Der eigene Garten ist ein wertvoller, vielfältiger Rückzugs- und Lebensraum für Mensch und Tier. Aber bei der Gestaltung können neben der Optik auch andere Gesichtspunkte Berücksichtigung finden. Viele Gartenbetriebe tragen beispielsweise »Das grüne Zertifikat«, das bestätigt, dass sie die Richtlinien für einen »Kontrollierten Umweltgerechten Zierpflanzenanbau (KUZ)« einhalten. Hier werden beispielsweise weniger Pestizide eingesetzt. Denn auch und gerade beim Geschäft mit der Natur gilt es, die langfristige Perspektive im Blick zu haben, zum Vorteil auch für uns selbst. Das muss uns manchmal sogar ein Discounter – »natürlich« marketingwirksam – aufzeigen. Dafür gibt es aber auch ein einfaches Wort unter Ökologen wie Ökonomen: Nachhaltigkeit.

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