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KW 15/2018

Von Hamburg nach Bayern – das Medium Radio verändert sich: alsterradio als aktuelles Beispiel

Vom Informations- zum Berieselungs-Medium

In einer vom Internet geprägten Zeit wie unserer findet es immer seltener Verwendung: das Radio. Während es für uns heute selbstverständlich ist und oft nur noch als »Nebenbei-Medium« genutzt wird, war es zu Anfang des 20. Jahrhunderts eine Revolution. Es diente vor allem dazu, die Hörer zu unterhalten und zu informieren. Aber auch die Nationalsozialisten machten sich den Rundfunk nach ihrer Machtübernahme 1933 zu Nutze, um ihre Ideologie zu verbreiten. Das Radio wurde durch sogenannte »Volksempfänger«, billig produzierte Geräte, zum Massenmedium. In der Nachkriegszeit diente es dazu, demokratische Ideen zu verbreiten. Eingeführt wurden beispielsweise Diskussionen mit Hörerbeteiligung. Auch Bildung und Unterhaltung spielten wieder eine Rolle, dazu kam Aufklärungsarbeit über den Nationalsozialismus. In den 1970er Jahren schalteten die Hörer immer für eine ganz bestimmte Sendung ein: Auf die Hitparade folgte Klassik, dann Nachrichten und dann ein Hörspiel. Dies änderte sich jedoch mit der Einführung des Fernsehens, das dem Radio große Konkurrenz machte. Die Hörer sollten nun nicht mehr warten, bis »ihre« Sendung im Radio kam, sondern das Radio sollte sie durch den Tag begleiten. Die Folge waren mehr Abwechslung, schnellere Berichterstattung und viel Musik.

Das (alster)Radio im Wandel

Man passte sich den veränderten Hörgewohnheiten an. 1981 wurden die ersten privaten Radiosender eingeführt. Auch wenn die meisten Leute ihre Musik heutzutage im Internet kaufen und Nachrichten überwiegend über das Fernsehen verbreitet werden, so ist das Radio nach wie vor existent. Dass es beim Rundfunk heutzutage stets auch um Profit geht, zeigt der jüngst erfolgte Verkauf vom »alsterradio«. Die beiden Rocksender »alsterradio« und »ROCK ANTENNE«, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der »ANTENNE BAYERN GmbH & Co. KG.«, werden laut der Pressemitteilung von »alsterradio« künftig eng zusammenarbeiten. »alsterradio« wurde zu »ROCK ANTENNE Hamburg« umbenannt und Teil eines nationalen Netzwerkes. Was sich nach sinnvollem Wachstum anhören mag, hat aber auch seine Schattenseiten. Davon, dass fast die gesamte Hamburger Redaktion sowie die Morgenshow-Moderatoren des Senders ihre Jobs verloren haben, wird beispielsweise wenig gesprochen. »Vielleicht verkaufe ich ja ein paar Monate lang auf dem Großmarkt Gemüse. Ich bin Frühaufsteher, für alles offen. Und dann hoffe ich, dass ich irgendwann weiter Radio machen kann. Ist schließlich meine Leidenschaft«. So sprach die Moderatorin Maren Bockholdt zu ihrer Kündigung mit der Hamburger Morgenpost. Es bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als eine derartige Situation mit Humor zu nehmen. Wir sind gespannt.

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