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KW 47/2017

Raus aus der Kohle, warum nur? Über die Schwierigkeit, Sachkenntnis zu erlangen

Die Allianz für den Kohleausstieg: ohne Deutschland

Die Veränderungen des Klimas auf der Erde haben weitreichende und nachhaltige Folgen, die sich auf die verschiedenen Ökosysteme der Welt auswirken. Um weitere Konsequenzen der globalen Erderwärmung abzuwenden, haben 195 Mitgliedsstaaten auf der UN-Klimakonferenz am 12. Dezember 2015 das Übereinkommen von Paris verabschiedet. Mit einem umfassenden Maßnahmenplan soll das langfristige Ziel, die globale Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um zwei – wenn möglich 1,5 Grad Celsius – zu begrenzen, erreicht werden. Die Weltklimakonferenz in Bonn hat die Umsetzung des Pariser Abkommens jetzt ein Stück weiter vorangebracht. So haben sich 18 Staaten zu einer Allianz für einen möglichst zeitnahen Kohleausstieg zusammengeschlossen. Die Allianzmitglieder wollen Schritt für Schritt alle herkömmlichen Kohlekraftwerke vom Netz nehmen. Deutschland sieht sich selbst als Vorreiter im Klimaschutz, wird jedoch sein Ziel, die Treibhausgase bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, nach jetzigem Stand deutlich verfehlen. Vielleicht hinterlässt gerade deshalb die Tatsache, dass sich Deutschland der Anti-Kohle-Allianz nicht angeschlossen hat, für einige Personen einen bitteren Nachgeschmack. Doch nicht nur für Sondierungsgespräche zwischen Personen aus verschiedenen Nationen birgt der Kohleausstieg ein hohes Konfliktpotenzial, auch innerhalb Deutschlands scheidet dieses Thema die Geister.

Man lernt nie aus

Wochenlang haben die Koalitionspartner hitzig diskutiert. Selten hätten die Ansichten der Parteien dabei weiter auseinanderliegen können. Doch woran liegt es, dass ein solch abstraktes Thema so starke Konflikte mit sich bringt? Um uns eine Meinung über ein Thema zu bilden, beziehen wir Informationen zu Themen wie dem Kohleausstieg beispielsweise aus den Medien. Viele Politiker werden auch von Lobbyisten beraten. Doch ist es überhaupt möglich, eine solch komplexe Thematik in ihrer Gesamtheit zu erfassen? Egal, ob Politiker oder »Otto Normalverbraucher«: Die Informationsflut, mit der wir tagtäglich konfrontiert werden, ist enorm. Paradoxerweise erfahren wir aber immer nur einen sehr kleinen Teil der ganzen Wirklichkeit. Jeder hat vermutlich seine eigene Vorgehensweise, wenn es darum geht, sich Fachkenntnisse auf einem Themengebiet anzueignen. Oftmals müssen wir Experten auf gleich mehreren Gebieten sein, um schwer greifbare Sachverhalte in ihrer Komplexität verstehen zu können. Wir reden beispielsweise über die globale Erderwärmung, verfügen aber oftmals nur über wenig Expertise zur Entstehung von Treibhausgasen. Sachkenntnis auf bestimmten Gebieten zu erlangen, ist eine lebenslange Aufgabe. Nur wer den Willen hat, sich neues Wissen anzueignen und neugierig ist, kann sich auch über komplizierte Themen eine Meinung bilden, mitreden und hitzig diskutieren.

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