PPR-NEWS

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KW 46/2017

Ein Phänomen eines Lebens im Überfluss – Wie wir dem wichtigen Thema Lebensmittelverschwendung begegnen müssen

Die Wegwerfgesellschaft befeuert den Klimawandel

In den letzten beiden Wochen schaut die Welt nach Bonn: Die Weltklimakonferenz endet morgen in der ehemaligen Bundeshauptstadt und es bleibt zu hoffen, dass sich die Delegierten auf konkrete und nachhaltige Pläne zum Erreichen der Klimaziele einigen können. Ohne globale Abkommen und An-einem-Strang-Ziehen der Mächtigen dieser Welt sind die Folgen des Klimawandels nicht mehr einzudämmen. Gleichwohl kommt es gerade beim Thema Umweltschutz auch auf die Haltung und das Handeln im Kleinen an. Forscherinnen und Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung prognostizieren, dass die mit Lebensmittelverschwendung verbundenen CO2-Emmissionen bis Mitte des Jahrhunderts von heute 0,5 auf bis zu 2,5 Gigatonnen ansteigen könnten. Ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion findet derzeit nicht den Weg auf unsere Teller. Global gesehen ist das Nahrungsmittelangebot ausreichend, um den gesamten durchschnittlichen Bedarf zu decken. Trotzdem leiden noch immer Menschen unter Hunger, was an ungleicher Nahrungsmittelverteilung, aber auch an unserer Verschwendung liegt. In der Wissenschaft ist man sich weitestgehend einig, dass das Verringern der Lebensmittelverschwendung und eine gerechtere Verteilung einen Beitrag zur Bekämpfung von Hunger sowie zur Minderung von Treibhausgasen und Klimafolgen wie stärkere Wetterextreme oder den Meeresspiegelanstieg leisten.

Dabei wäre Lebensmittelverschwendung vermeidbar…

Mehr als 18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich allein in Deutschland im Müll. Die Hälfte davon wäre noch genießbar. Die andere Hälfte ließe sich sicherlich auch reduzieren, würden Verbraucherinnen und Verbraucher umsichtiger einkaufen und kochen. Dazu müssen Menschen für das Problem sensibilisiert, Lebensmittelverschwendung und insbesondere Lösungsansätze besser kommuniziert werden. So lohnt es sich, öfter zu saisonalen und regionalen Produkten zu greifen, denn je länger die Produktionsketten, umso schneller nehmen Lebensmittel auf dem Weg Schaden oder verderben. Die Möglichkeiten, Nahrungsmittelverschwendung zu begegnen, werden zunehmend kreativer: So helfen Apps beim besseren Planen von Einkauf und Kochen sowie bei der Resteverwertung, sollte etwas übrig geblieben sein. Auf Online-Plattformen können Lebensmittel verschenkt werden. Restaurants und Supermärkte können hier ebenfalls anbieten, was sonst in den Müll wandern würde, stehen aber oft vor Hindernissen wie Haftungsfragen und unklaren Rechtslagen, die aus dem Weg geräumt werden müssen. Es wird deutlich: Um eine nachhaltige Lösung zu schaffen, müssen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft Hand in Hand gehen. Nahrungsmittel sind wertvolle Ressourcen, was im öffentlichen Diskurs zuweilen zu kurz kommt.

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