PPR-NEWS

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KW 37/2017

Wie junge Bands dafür strampeln, in die Charts und in die Medien zu kommen: das Beispiel Von Wegen Lisbeth

Durchhaltevermögen ist gefragt

Mit dem eigenen Hobby Geld zu verdienen ist der Wunsch vieler Personen. Dass dies aber gar nicht so einfach ist, erfahren besonders junge Musikerinnen und Musiker immer wieder. Wer sich dazu entschlossen hat, eine Band zu gründen und mit der eigenen Musik andere Menschen erreichen zu wollen, hat häufig einen langen und harten Weg vor sich. Denn über Nacht bekannt zu werden und von dem einen auf den anderen Tag mehrere tausend Fans für sich zu gewinnen, ist nun einmal nicht der Normalfall. Die Realität sieht oft anders aus: Junge und oftmals unerfahrene Künstler setzen ihre Hoffnungen und einen hohen Teil ihres Ersparten auf teure Manager, Plattenfirmen oder Marketing-Experten, die sie innerhalb kurzer Zeit bekannt machen und den Weg in die Charts abkürzen sollen. Doch der Aufgabenberg, vor dem die Nachwuchsmusiker stehen, bleibt groß: Neben dem Schreiben neuer Songtexte und dem Proben der Lieder fallen für die Bands viele organisatorische Aufgaben an, wie beispielsweise die Pflege der eigenen Webseite, der Versand von Newslettern, das tägliche Abtelefonieren von Veranstaltern und im Bestfall das Organisieren von Konzertterminen. Mit dem Erfolg kommt auch die Aufgabe, Fanpost zu beantworten oder Autogrammkarten zu versenden. Doch der Weg zur Popularität ist lang, wie es das Beispiel der Band »Von Wegen Lisbeth« zeigt.

Zehn Jahre bis zum Erfolg handgemachter Musik

Als 2006 der Sportunterricht der Schülerinnen und Schüler der siebten Klasse des Beethoven-Gymnasiums in Berlin ausfiel, gründeten Julian Hölting, Matthias Rohde, Robert Tischer sowie Dotz und Julian Zschäbitz die Band mit dem Namen »Fluchtweg«. »Von Hardcore-Punk bis zu 8-Bit-Gameboy-Casio-Musik«, so beschreiben die fünf Musiker den Stil ihrer damaligen Band. Im weiteren Verlauf  wechselte die Band ihren Namen von »Fluchtweg« zu »Harry Hurting«. Doch auch ein Namenswechsel brachte den jungen Leuten nicht den ersehnten Erfolg. Nachdem sie in unzähligen kleineren Clubs aufgetreten waren, gelang der Durchbruch erst 2016. Die heute erfolgreichere Band AnnenMayKantereit überredete die fünfköpfige Band, die zu diesem Zeitpunkt bereits unter den Namen »Von Wegen Lisbeth« auftrat, sie auf ihrer Tour zu begleiten und 2014 erstmals als Vorband zu spielen. 2015 begleitete die Indie-Pop-Band 18 weitere Konzerte von AnnenMayKantereit und startete zum Jahresende die erste eigene und Tour unter dem Titel »Störung im Betriebsablauf«. Im darauffolgenden Jahr veröffentlichten »Von Wegen Lisbeth« ihr Debütalbum »Grande«. Die Band hat zehn Jahre lang hart für ihren Erfolg gearbeitet. Man könnte annehmen, sie habe im Laufe der Jahre durch ihren wachsenden Erfolg einen Identitätsverlust erlitten – alles professioneller und fremdbestimmt. Doch die fünf produzieren ihre Videos weiterhin am liebsten selbst, zimmern das Bühnenbild selbst zusammen und lassen sich die Auswahl ihrer Musikinstrumente, wie Kinderglockenspiele, nicht nehmen. Vielleicht liegt gerade in dieser Eigensinnigkeit ihr Erfolg.

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