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KW 18/2017

Zum 199. Geburtstag eines großen Denkers: Was von Karl Marx geblieben ist und was nicht

Vor 199 Jahren geboren und immer noch lebendig

Auf den morgigen 5. Mai fällt der Geburtstag eines großen Philosophen, Ökonomen, Gesellschaftstheoretikers und -kritikers. Karl Marx hinterließ als einer der einflussreichsten Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus ein Werk, dessen kontroverse Rezeption ihres gleichen sucht. Kritiker wie Anhänger Marx‘ studieren bis heute seine fundamentale »Kritik der politischen Ökonomie«, in welcher Marx die kapitalistischen Produktions- und Distributionsverhältnisse des Kapitalismus beleuchtet. Dabei erkannte er durchaus an, dass der Kapitalismus großen Reichtum produzieren würde, prangerte jedoch gleichsam die aus ihm resultierende Ungleichheit an. Der entstehende Antagonismus zwischen Arbeitern und Produktionsmittelbesitzern, zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie, zieht sich wie ein roter Faden durch seine Kritik. Der Umstand, dass das Proletariat seine Arbeitskraft an die Kapitalisten unter Wert verkaufen muss und damit den privaten Reichtum der Kapitalisten nährt, war Marx ein Dorn im Auge. Die stetig wachsende globale Ungleichheit gibt ihm Recht: Studien belegen, dass in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte Wohlstand noch nie so ungleich verteilt war wie heute. Laut Oxfam besitzen die acht reichsten Männer ein ähnlich großes Vermögen wie die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit. Die Gegensätzlichkeit von Proletariat und Bourgeoisie scheint seit Marx gar noch gestiegen.

Die Revolution hingegen blieb aus

In Manier des Historischen Materialismus sagte Marx voraus, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis sich die Arbeiter in Anbetracht ihrer prekären Lage zusammenschließen würden, um die bestehenden Verhältnisse umzustürzen. Marx hielt diese Revolution für unumstößlich – sie trat jedoch nie ein. Und wir dürfen uns fragen: »Würden wir eine solche Revolution wollen?« Dass das Ziel der Weltgemeinschaft sein muss, die wachsende soziale Ungleichheit zu beenden und Wohlstand gerechter zu verteilen, ist ein ausgemachtes. Doch wäre eine Revolution im Marx’schen Sinne dazu geeignet? Die Geschichte hat gezeigt, dass eine romantisierte Vorstellung der Revolution durch das Proletariat fehl am Platz ist. China, Kuba, die DDR: Historische Beispiele belegen, dass die erfolgten Umstürze Ungleichheit nicht zwangsweise beenden – geschweige denn langfristig eine gerechte Gesellschaft hervorbringen. Im Hinblick auf den generellen gesellschaftlichen Wohlstand gestalten sich insbesondere solche Systeme als erfolgreich, in denen der Staat steuernd tätig wurde, um die Kraft des Kapitalismus für alle nutzbar zu machen – die soziale Marktwirtschaft. Hier hat sich eine breite Mittelschicht entwickelt, deren Lebensbedingungen besser sind als je zuvor. Vielleicht gibt es doch Möglichkeiten, innerhalb eines kapitalistischen Systems Verteilungskonflikte im Sinne Marx‘ zu verstehen, aufzuspüren und gewaltfrei aufzulösen. Der Milliardär David Rockefeller las einst Das Kapital, studierte es. Auf die Frage hin weshalb, antwortete er, um im Kapitalismus besser wirtschaften zu können.

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