PPR-NEWS

410

KW 17/2017

Die stillen Milliardäre: Wie ALDI und Lidl sehr groß werden konnten, ohne dass ihre Inhaber in der Öffentlichkeit je wirkten

Discount – die Einzelhandels-Innovation des 20. Jahrhunderts

Einen geschätzten Jahresumsatz vom 67,3 Milliarden Euro verzeichneten ALDI Nord und ALDI Süd zusammengenommen im Jahr 2015. Gemessen am Bruttoumsatz sind sie die erfolgreichsten Discounter-Konzerne weltweit. Lidl erzielte im gleichen Jahr einen Umsatz von rund 38,3 Milliarden Euro und ist – gemessen an der Anzahl der Filialen – international der größte Discounter-Konzern. Die ALDI-Brüder, Theo und Karl Albrecht, setzten mit ihrem Discounter-Konzept neue Impulse für den Einzelhandel. Auch Dieter Schwarz, der das Unternehmen Lidl von seinem Vater in den 1970ern übernahm, schloss sich der Devise und dem Erfolgsrezept der ALDI-Brüder an: Weniger ist mehr. Mit dem Ziel, ihre Waren zu den niedrigsten Preisen anzubieten, setzten die Brüder auf spartanische Märkte, in denen ihre Kunden, abgesehen vom Kassieren, weder Dienstleistungen noch ein aufbereitetes Warenangebot zu erwarten hatten. Produkte wurden direkt aus Lieferkartons verkauft, pro Produkt gab es eine endliche Zahl an Alternativen. Das Konzept entpuppte sich als ebenso simpel wie erfolgreich: Sowohl ALDI Nord und Süd als auch Lidl zogen mithilfe ihrer Preispolitik Kunden an und binden sie bis heute an sich.

Mit Bescheidenheit und Fleiß zum Erfolg

Die Strategie funktionierte so gut, dass weder öffentlichkeitswirksame Aktionen noch Werbung durch ALDI umgesetzt wurden – einzig Anzeigen in Tageszeitungen, Wochenblättern und Werbeprospekten dienten dazu, Kunden Angebote zu unterbreiten. Im letzten Jahr schaltete der Konzern zum ersten Mal TV-Werbespots. Auch Lidl präsentiert sich erst seit 2008 im Fernsehen. Vorher warben die Discounter allein durch ihre Preispolitik und vor allem ohne großes Aufsehen. Letzteres vermieden die ALDI Brüder bis zu ihrem Ableben und auch Lidl-Gründer Dieter Schwarz lebt in Abgeschiedenheit, wird als öffentlichkeitsscheu bezeichnet. Regelrechte Mythen ranken sich um die drei Unternehmensgründer, die selbst oder ihre Nachkommen von Forbes unter den 50 reichsten Menschen der Welt gelistet werden. Erzählungen zufolge eint die drei Bescheidenheit und Fleiß – zwei Tugenden, die ihnen ganz nach oben verhalfen und die sie auch in ihren Markt-Konzepten umsetzten. So traten und treten die Gründer zwar öffentlich nicht in Erscheinung, ihre Philosophie wird jedoch in den Märkten in die Öffentlichkeit getragen.

Zurück