PPR-NEWS

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KW 09/2017

Jetzt kommen wir an Trump nicht mehr vorbei: Wie der US-Präsident die Welt der sicheren belegbaren Informationen in eine Scheinwelt der Unsicherheit verwandelt

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht – so war es zumindest bisher

Donald Trump ist der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Über ihn berichten täglich weltweit Journalisten, und viele Menschen beschäftigten sich mit der Frage, ob die USA noch ein verlässlicher Partner sind. Die altehrwürdige »Washington Post«, die durchaus als Hüterin westlicher Werte in den USA anzuerkennen ist, hat vor Kurzem aufgezählt, dass Trump seit seinem Amtsantritt über 130 falsche oder irreführende Behauptungen getätigt hat. So gesehen, hätte der sogenannte »Führer der westlichen Welt« knapp vier Unwahrheiten jeden Tag gesagt. Die Themen reichen von der Einwanderung über seine eigene Biografie bis hin zur Frage, ob es stimmt, dass er bereits neue Arbeitsplätze in den USA geschaffen hätte. Allein über den Kurznachrichtendienst Twitter sind 34 Unwahrheiten dokumentiert. Und wer die Medien aufmerksam gelesen hat, der kennt diese Wahrheit über den Lügner Trump. Doch was heißt das für uns, die wir in offenen Gesellschaften leben wollen und Kommunikation auf der Basis von Ehrlichkeit organisieren?

Die Renaissance des Qualitätsjournalismus

Tatsachen beruhen auf Fakten. Tatsachenbehauptungen wiederum sind Aussagen zu Tatsachen, zu denen es (noch) keine rechtliche Prüfung gab. Sicher ist jedoch, dass in offenen Gesellschaften Tatsachen bestimmbar sind, weil ihre Herleitungen einem Konsens aus über dreitausend Jahren an Erkenntnisgeschichte entstammen. Eine bloße Meinungsäußerung ist keine Tatsache. Die Stimmung, die Trump und andere Verführer verbreiten, führt jedoch bereits zur Aberkennung dieses Konsenses, dass wir alle auf herleitbarem Grund und Boden stehen. Wie ist einem Lügner beizukommen, wenn er nicht zur Rechenschaft gezogen wird? Wie ist einem US-Präsidenten beizukommen, der sagen kann, was er will, ohne dass Gerichte oder Institutionen ihn dafür zum Rücktritt und, ja, zu einer Bestrafung bringen? Die Welt der Fakten, in der wir leben, hat sich bereits in eine Welt des Scheins verwandelt, in der Fakten nicht mehr viel zählen. Was ist zu tun? Zumindest schafft der Druck der Trumps dieser Welt auch Gegendruck. Da passt die Nachricht gut, dass die »New York Times«, auch eine Hüterin westlicher Werte, wieder eine höhere Auflage erzielt, seitdem Menschen ihre Arbeit als notwendig und als wichtig erkennen. Die Wiedergeburt des Qualitätsjournalismus kann in der Folge die große Chance sein, die ausgerechnet durch die Lüge ausgelöst wird.

 

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