PPR-NEWS

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KW 05/2017

Das wieder sehr aktuelle Medium der Politiker, das Fragen nicht erlaubt: der Nachrichtendienst Twitter

Meinungsbildung mit nur 140 Zeichen

Seit 2006 gibt es Twitter. Der sogenannte Mikrobloggingdienst steht seitdem sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen, Organisationen und Massenmedien zur Verfügung. Auffallend bei Twitter ist, dass sich der Dienst – im Gegensatz zu anderen Social Media Kanälen – seit seiner Gründung nicht grundlegend verändert hat. Seit jeher gilt die Zeichenbegrenzung von 140 Zeichen. Zwar gab es Meldungen, dass diese Begrenzung aufgehoben werden sollte, doch die Veränderung wurde nicht vorgenommen. Twitter ist mit seinen monologartigen Meldungen, seinen Tweets, so sehr in aller Munde, dass die American Dialect Society den Begriff »tweet« zum Wort des Jahres 2009 wählte. Die Zwecke, für die Twitter genutzt wird, sind vielfältig. Ein sehr aktuelles Beispiel sind die Tweets, die Politiker weltweit veröffentlichen, um die breite Gesellschaft zu erreichen. Während Barack Obamas Wahlkampfteams bereits 2008 klug über Twitter kommunizierten, entwickelte sich der Trend zu kurzen, politischen Nachrichten auch in Deutschland weiter. Der erste deutsche Wahlkampf, in dem Twitter eingesetzt wurde, war die hessische Landtagswahl 2009, bei der alle großen Parteien eigene Twitter-Seiten hatten. Fast zehn Jahre später steht Twitter zu Zeiten von Fake News und Nachrichtenüberflutung sowie unberechenbaren Nutzern, die ihre Gedanken einfach in die Welt posaunen, vor vielen Fragen – die offen bleiben. #Zukunft?

Warum 140 Zeichen heute oft mehr als genug sein können

Laut einer 2016 veröffentlichten Studie der Konrad Adenauer Stiftung mit dem Titel »Twitter als politische Informationsquelle« eignen sich Twitter-Daten kaum für Wahlprognosen. Warum? Tweets sind stark interessengeleitet durch die Nutzer und können beispielsweise durch Spott oder Häme verstärkt werden. Jüngst geschieht dies fast täglich, da es politische Akteure gibt, die Steilvorlagen geben. Halbgares verbreitet sich schnell, wenn Nutzer ungefiltert ihre Tweets veröffentlichen, ohne dabei ihre Berater zu konsultieren. So zwitschern Politiker immer häufiger keine klugen Nachrichten und katapultieren sich damit ins Aus. Twitter hat es bei 140 Zeichen belassen. Eine Erweiterung stellt das Teilen von Fotos und Videos dar. Und wie so oft gilt: Ein Meme sagt mehr als tausend Worte. Wir als Kommunikationsexperten sehen weiterhin Potenzial in diesem sozialen Netzwerk, das laut des Statistik-Portals statista aktuell auf Platz 10 der größten Social Media Netzwerke und Messenger nach Anzahl der monatlich aktiven Nutzer liegt. Demnach seien im Januar 2017 rund 317 Millionen Nutzer auf Twitter aktiv gewesen. Wir sehen Potenzial in Richtung der sinnvollen, politischen Meinungsbildung, aber auch Gefahren durch die ungefilterte Beeinflussung mit individuellen Äußerungen. Wohin führen uns die Monologe bei Twitter noch – gerade im Bundestagswahljahr? Und wo endet das gegenseitige Übertrumpfen der Politiker, bei denen einer lauter zwitschert, eher zetert, als der andere? Wir wissen es heute nicht, blicken aber stets nach vorn. #FragenüberFragen.

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