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KW 04/2017

Was sind 3D-Drucker? Wie verändern sie uns? Über die Kommunikation einer unheimlichen Maschine

Unheimlich, weil wir zu wenig über sie wissen – und sie doch schon so viel können

Als Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert den Buchdruck als flexible, relativ kostengünstige und schnelle Methode zur Erstellung größerer Druckauflagen erfand, galt dies als Revolution. Er leitete eine Demokratisierung der Schaffung und Verbreitung von Informationen ein. Heute, im 21. Jahrhundert, stellen wir uns die Frage, wie lange gedruckte Bücher noch Bestand haben werden, während die Digitalisierung mit immer größeren Schritten voranschreitet. Zweifelsohne verschieben sich die Wege der Kommunikation und sind durch technologische Innovationen nicht einfach ergründbar in ihren Auswirkungen. So ist es nur schwer zu verstehen, wenn eine Studie der Forschungs- und Beratungsfirma Gartner davon ausgeht, dass bis 2020 zehn Prozent der Industriebetriebe Roboter mit 3D-Druck-Technologien in ihre Fertigung integrieren werden. Ferner gehen die Experten davon aus, dass 30 Prozent der medizinischen Implantate und Geräte aus dem 3D-Drucker stammen werden, ja, sogar direkt vor Ort hergestellt werden können sollen. Bis 2020 werden weniger als drei Jahre vergehen. Wie kann es sein, dass eine Technologie solch große, innovative Schritte geht, ohne dass wir auf breiter Front davon informiert werden? Wie erfahren wir mehr über eine Maschine, die uns verändern wird und auch heute schon (indirekt) verändert? Und was sind 3D-Drucker genau?

Von Kleidung über Lebensmittel bis hin zu Waffen und Organen – gibt es Grenzen?

»Additive Manufacturing« heißt das Verfahren, für das der Amerikaner Chuck Hull bereits 1984 ein erstes Patent anmeldete. Bei der »additiven Herstellung«, also beim 3D-Druck, werden unterschiedliche Werkstoffe, ob Metall, Plastik, Glas oder sogar Zellgewebe, übereinander geschichtet. Forscher sind sich einig, dass die dreidimensionale Drucktechnik zu einer Schlüsselindustrie des 21. Jahrhunderts werden könnte. Gleichwohl werden die Erfolge eher in Fachmedien gefeiert, die sich an Leser richten, die sich bereits mit dem Thema auseinandersetzen oder selbst die Technologie nutzen. Der Laie muss gezielt nach Informationen suchen, um etwas zu finden. Und doch sind wir begeistert davon, dass die NASA einen 3D-Food-Drucker entwickelt hat, der Astronauten im All mit Nahrung versorgen soll. Oder finden es spannend, dass 3D-Drucker perspektivisch gut verdauliche Lebensmittel für Pflegeheime und Krankenhäuser herstellen könnten. Während gedruckte Kleidung ebenfalls noch interessant klingt, hinterfragen wir eher die Möglichkeit gedruckter Waffen. Dass Forscher bereits daran arbeiten, ganze Organe zu drucken und schon Erfolge verzeichnet haben, fordert unser Vorstellungsvermögen am meisten heraus. Eins der jüngsten Beispiele: Ein Forschungsteam aus Großbritannien und den USA perfektioniert eine Technik, bei der ein voll ausgebildetes menschliches Ohr aus patienteneigenen Stammzellen heranwächst – mithilfe von 3D-Druckern. Wir werden weiterverfolgen, wie die Forschung voranschreitet. Eines können wir aber sagen: Wir gehen heute davon aus, dass es Bücher immer in gedruckter Form geben wird. In Zukunft kommen aber vielleicht auch sie aus dem 3D-Drucker.

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