PPR-NEWS

391

KW 49/2016

Bots und Fake-News: Wie Einzelne in den Sozialen Netzwerken großen politischen Schaden anrichten

Die Welt wie sie mir gefällt

Soziale Netze, allen voran Facebook und Twitter, haben als regelmäßig genutzte Nachrichtenquellen die gedruckten Zeitungen überholt – und ihr Vorsprung wächst. 31 Prozent der Deutschen nutzen sie, um an tagesaktuelle Nachrichten zu kommen. Nur 29 Prozent nutzen noch die Zeitungen. Innerhalb eines Jahres haben die Zeitungen über neun Prozentpunkte verloren, während die sozialen Netze sechs Punkte zulegten. Zu diesem Ergebnis kommt der Reuters Digital News Report, für den in Deutschland etwa 2000 Internet-Nutzer über 18 Jahre repräsentativ befragt wurden. In Amerika ist der Trend noch weiter fortgeschritten, über die Hälfte beziehen dort Nachrichten regelmäßig aus den sozialen Netzen. Viele der Nachrichten dort stammen aus den klassischen Medien, als Marke werden sie jedoch immer weniger wahrgenommen. Statusmeldungen von Freunden, Botschaften von abonnierten Marken und Nachrichten der Presse vermischen sich zum persönlichen Newsfeed. Schnell verliert der Nutzer die Übersicht und kann vielleicht nicht mehr trennen zwischen Hochzeitsfotos vom Kollegen und Werbung. Dasselbe trifft auch auf vermeidliche Nachrichten zu. Zwischen die Schlagzeilen der Newsportale schummeln sich heutzutage immer öfter sogenannte »Fake-News«, also vorsätzlich falsche Behauptungen.

Blinde Passagiere im Netz

Die Verbreiter von »Fake-News« können unterschiedliche Motivationen haben. Zum einen werden reißerische Schlagzeilen oft geteilt, versprechen viele Seitenaufrufe und generieren auf diese Weise Werbeeinnahmen. Zum anderen können »Fake-News« politisch motiviert sein. Nach dem Wahlkampf in den USA verdächtigte die Washington Post Russland, die Präsidentschaftswahl durch Falschmeldungen manipuliert zu haben. Neben Falschmeldungen sollen auch Bots, also Computerprogramme die sich im Internet als Menschen ausgeben, in großer Zahl unentdeckt an Diskussionen teilgenommen und politische Hetze betrieben haben. Und auch in Deutschland beschäftigen sich Politiker und Journalisten damit, wie wir der Situation in den sozialen Medien begegnen sollten. Heiko Maas sagte, man müsse damit rechnen, dass »Fake-News« die Bundestagswahl im nächsten Jahr beeinflussen könnten. Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert Regeln für die sozialen Netze. Doch die Lösung des Problems können nicht strenge Regeln oder umständliche Abwehr von »Fake-News« und Bots sein. Nur aufgeklärte Teilnehmer des Austauschs im Internet können Falschmeldungen entschärfen. Wird ein Inhalt einfach nicht geteilt, verliert er den viralen Charakter. Und so hängt es an uns, Hetze zu erkennen – und einfach zu ignorieren.

Zurück