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KW 45/2016

Die USA haben gewählt: Darum hört das Drama nicht auf

Mr. „You’re fired“ is hired

Wir haben es nicht für möglich gehalten und doch ist es passiert. »Ein Demagoge, der den kleinsten gemeinsamen Nenner anspricht«, so beschreibt der Physiker Stephen Hawking Donald Trump, der gerade eben zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde. Ein weiterer Wahlerfolg für die Rechtspopulisten, die in der gesamten demokratischen Welt auf dem Vormarsch sind. Noch blicken wir deutsche schockiert und zuweilen überheblich auf die »dummen« Amerikaner, die auf den bunten Vogel mit den einfachen Antworten hereingefallen sind. Um uns herum bekommt die extreme Rechte immer mehr Macht vom Volk. In Österreich die FPÖ, in Frankreich der Front National, in den Niederlanden die PVV. Doch 2017 steht unsere eigene Bundestagswahl bevor und die Zeichen stehen auf Sturm – auch hier im Land der Dichter und Denker. Wir finden uns wieder im „postfaktischen Zeitalter“, so nennt es Merkel. Einer Zeit, in der Argumente nicht viel zählen, sondern nur die eigenen Gefühle. Verletzt und Verängstigt suchen viele Menschen Schutz im Nationalismus. Darum spalten sich viele Länder in die, die an die freie Welt ohne Grenzen und Ausgrenzung glauben, und die, die ihre eigenen Rechte in den Vordergrund stellen und sich nicht scheuen, die der anderen zu beschneiden.

Was die Weltmacht mit der Welt macht

Donald John Trump, der Sohn eines Multi-Millionen-Dollar schweren Bauunternehmers, hastete sein Leben lang den übergroßen Fußstapfen seines Vaters hinterher und neigt zu Übermut, Protz und Geringschätzigkeit. Der Mann, für den scheinbar keine moralischen Regeln gelten und der mit öffentlichen Tabubrüchen und Skandalen die Gefühlsmedien über ein Jahr lang auf Trab hielt, spaltet die amerikanischen Bürger in zwei einander über alle Maßen feindlich gesinnte Lager. Diese zu vereinen, Brücken zu bauen und Wunden zu heilen wird seine Aufgabe und die seiner berufenen Berater sein. Der kontroverse Kandidat traf hierzulande auf harsche Kritik. Außenminister Frank-Walter Steinmeier nannte ihn einen »Hassprediger« und gratulierte ihm nach der Wahl bewusst nicht zum Sieg. Unzählbare weitere dieser öffentlichen Anfeindungen kamen aus hohen Ämtern und allerlei Ländern. Und alle müssen Sie nun mit ihm arbeiten. Dies ist ein schlechter Start in eine neue Beziehung. Dieses Misstrauen abzubauen und die bittere Wirklichkeit zu akzeptieren, wird die kommunikative Leistung sein, die jetzt von allen Seiten erbracht werden muss. Präsident Obama plädierte in einer Rede nach der Wahl: »Wir sind alle im selben Team«. Er trifft damit den Nagel auf den Kopf. Das Wohl der Menschen auf der Welt muss im Fokus stehen, nicht die Fehde zwischen Demokraten und Republikanern, Progressiven und Konservativen, uns und denen.

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