PPR-NEWS

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KW 44/2016

Wir amüsieren uns, so viel wir können: Wie die Unterhaltungsindustrie wohl die mächtigste der Welt geworden ist

Ein Imperium entsteht

Es ist ein Großereignis der Medien- und Unterhaltungsindustrie: Das Telekommunikationsunternehmen AT&T übernimmt den Medienkonzern Time Warner. Eine »perfekte Ergänzung zweier Unternehmen mit komplementären Stärken«, so nennt es AT&T CEO und Chairman Randall Stephenson. Time Warner ist einer der großen Player der Unterhaltungsindustrie, ein Netz von Tochterfirmen unterhält Fernsehsender und Produktionsfirmen nahezu überall auf der Welt. Dieser Deal konzentriert Content und Übertragung in eine Hand und ist für AT&T der logische nächste Schritt. Durch den direkten Zugang zum Endverbraucher auf verschiedenen Verbreitungswegen – mobil, Kabel, TV – kann das von der Werbewirtschaft gewünschte und lukrative Addressable Advertising vorangetrieben werden. Der Deal ist also eine große Chance und für beide Unternehmen, ihre Positionen im sich ständig wandelnden Markt der Unterhaltung zu festigen. Die Verhandlungen stellen den Höhepunkt einer Reihe von Übernahmen im selben Sektor dar. Comcast kaufte NBC, Verizon schluckte AOL und kurz darauf Yahoo. Der Markt ist stark in Bewegung. Das liegt nicht zuletzt am Trend des »Cord Cutting«: Mittlerweile haben laut Marktforschungsinstitut GfK bereits 25 Prozent der US-Haushalte kein Bezahlfernsehen mehr. Ob die Übernahme tatsächlich zustande kommt, ist noch ungewiss. Das letzte Wort haben in diesem Fall die US-Kartellbehörden.

Die mächtigste Industrie der Welt?

Das Geld, das wir verdienen, geben wir nicht für unsere Arbeit aus. Wir gestalten damit unseren Feierabend, unser Wochenende und unseren Urlaub. Unsere Freizeit gehört nur uns, hier dürfen wir uns etwas gönnen und auch mal unvernünftig sein. Reisen, Smartphones, Sky-Abonnement, die Karte fürs Kino, Fußballspiel und Konzert. Das alles und mehr bietet uns die Freizeitindustrie an. Am Beispiel der Übernahme von Time Warner durch AT&T bekommen wir einen kleinen Einblick, wie mächtig und umsatzstark diese Industrie sein muss. Hinter jeder neuen TV-Serie steht eine ganze Batterie an Arbeitsplätzen, Büros, Budgets und Entscheidern. Es ist eine Industrie, die sich über die ganze Welt erstreckt. Indien baute sich in den vergangenen Jahrzehnten eine ganz eigene riesige Unterhaltungsindustrie auf. Um den Hindi-Film, vom Westen ironisch »Bollywood« genannt, entstand eine Filmindustrie, die sich vor den westlichen Pendants nicht zu verstecken braucht. Mehr als 30 Millionen Euro spielte der Film »Sholay« ein, einer der erfolgreichsten seiner Art. Heute ist eben diese Freizeitindustrie im stärksten Wandel seit der Erfindung des Fernsehers. Das lineare Fernsehen ist ein Auslaufprodukt und wird ersetzt durch Video on Demand. Der große Knall wird ausbleiben, die Zeichen wurden früh erkannt. Der Markt reagiert, Geschäftsmodelle passen sich an. Was bleibt, ist die mächtigste Industrie der Welt.

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