PPR-NEWS

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KW 42/2016

Putin und Obama, das ist längst nicht alles auf der Welt: Warum wir so wenig über Afrika wissen, erklären wir anhand der Geschichte der Wüste Sahara

Merkels mutige Reise

»Befreundeter Nachbarkontinent«, so wird Afrika von der Bundeskanzlerin Angela Merkel oft genannt. Sie trat vorige Woche eine mutige Reise an, die sie von Mali über Niger nach Äthiopien führte. Merkel, die Ende November ihr zwölftes Jahr im Amt beginnt, verspricht eine große Afrika-Konferenz im nächsten Jahr. Im Rahmen der deutschen G-20-Präsidentschaft will sie sich drei zentralen Aufgaben widmen: Arbeitsplätze, Infrastruktur und Ausbildung. Doch wo war Afrika vor der »Flüchtlingskrise«? Erst der Druck durch große Zahlen geflüchteter Menschen vor unserer eigenen Haustür rückte Afrika wieder in den Fokus der Berichterstattung. Zu weit entfernt waren scheinbar die Probleme, die nicht weniger schlagzeilenträchtig waren: Boko Haram in Nigeria, Wilderei in Kenia, Hunger in Äthiopien. Dabei ist Lagos gerade mal sechs Flugstunden entfernt. Dass sich Afrika für die meisten Westeuropäer so fremd anfühlt, liegt daran, dass wir so wenig über diesen großen Kontinent wissen. Krisen, Massenmorde und Nelson Mandela sind häufige Assoziationen. Doch grüne Wiesen, Gastfreundschaft und Unternehmergeist werden selten mit Afrika in Verbindung gebracht. Zu Unrecht. Die Medien hierzulande versteifen sich auf die USA und Russland. Die Wahrnehmung Afrikas dagegen ist verschwindend gering, vergessen und verlassen.

Eine nicht allzu entfernte Wüste

Die Sahara bildet mit neun Millionen Quadratkilometern die größte Trockenwüste der Welt. Fast so groß wie die gesamten USA, ist die Wüste Lebensraum für Völker wie die Tuareg, Araber und Mauren. Es gibt kaum verlässliche Zahlen über die Bevölkerungsdichte der Wüste, allerdings sind weite Abschnitte der Sahara für Menschen unbewohnbar und daher menschenleer. Viele der Saharabewohner sind Nomaden oder Halbnomaden, größere Siedlungen gibt es am Nordrand der Sahara oder in den erdöl- und erdgasfördernden Gebieten. Die bekannte und oft fotografierte Sandwüste macht nur etwa 20 Prozent der Fläche aus, der Rest besteht aus Fels- und Geröllwüste. Dieser Umstand ist typisch für Afrika: Es werden oft nur Klischees und Inselwissen wahrgenommen. Die Sahara zu verstehen ist deshalb so wichtig, weil sie viele Länder und Grenzen umfasst. Die Wüste ist bedeutender Teil von zehn afrikanischen Ländern, die sich zwar stark in Sprache und Kultur der Menschen unterscheiden, sich aber die Wüste teilen. Uns Europäern den Kontinent Afrika – und die Sahara im Besonderen – öfter durch Berichte, Reportagen oder Geschichten näher zu bringen, würde auf lange Sicht das Verständnis für einen unterschätzten Kontinent verstärken und uns sensibilisieren für die individuellen Probleme der Wüstenstaaten und deren Nachbarn.

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