PPR-NEWS

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KW 41/2016

Wie zwei Hamburger Jungs auszogen, den Weltkonzernen eine eigene – nicht mehr allzu kleine – Marke auf die Theke zu stellen: die bewundernswerte Geschichte von fritz-kola

Wer gründet, findet noch lange in Deutschland nicht sein Glück

In Sachen Unternehmertum gilt Deutschland als Entwicklungsland. Die Zahl der Unternehmensgründungen ist laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW Köln) seit Jahren rückläufig. So sei die Zahl der Unternehmensgründungen seit 2004 um die Hälfte zurückgegangen. Laut dem diesjährigen Global Entrepreneurship Monitor (GEM) hätte ein Großteil der Bevölkerung »diffuse Ängste vor Risiken der Selbstständigkeit«. Die Deutschen waren einst Pioniere ganzer Industrien, Deutschland gilt als das Land der innovativen Ideen. Warum sinkt also das Interesse an Firmengründungen gerade jetzt, wo Erfolgsgeschichten amerikanischer Star-ups wie Uber, WhatsApp und Co. uns doch eigentlich ermutigen sollten und TV-Sendungen wie »Die Höhle der Löwen« uns regelrecht heiß machen auf die Gründerszene. Zahlen dagegen belegen, dass sich Deutschland schwer tut mit echten Erfolgsgeschichten deutscher Gründer. Um Weltmärkte zu erobern, braucht es mehr als die eine zündende Idee. Der Vertrieb muss sich skalieren lassen, die Zusammenarbeit modern gestaltet werden können und ein junges Unternehmen muss von Anfang an engagierte Mitarbeiter finden, die zur Firmenkultur passen – fachlich wie menschlich. Vor diesem Hintergrund ragt eine Geschichte heraus, die Story der Hamburger Getränkefirma fritz-kulturgüter GmbH, uns allen besser bekannt unter dem Namen fritz-kola. Seit 2003 vertreiben die Hamburger Jungs Lorenz Hampl und Micro Wolf Wiegert eine Cola für Erwachsene. Nur ein weiteres Zuckergetränk?

Wie uns fritz-kola inzwischen überall begegnet

Nachdem die Gründer aus Hamburg ihr erstes Produkt mithilfe eines Lebensmittelfachmanns entwickeln und von einer Brauerei die erste Charge produzieren ließen, vertrieben sie die fritz-kola zunächst im Direktverkauf an die Gastronomie. Seit 2005 kann man das beliebte Getränk – erst nur in Hamburg, mittlerweile deutschlandweit – im Supermarkt kaufen. Je älter ich wurde, desto öfter traf ich Fritz längst über die Stadtgrenzen Hamburgs hinaus an, sogar in Berlin. Das Hamburger Szenegetränk entwickelte sich vom Geheimtipp zum Kultgetränk und nahm schnell Fahrt auf. Seit dem Start sind zur Cola weitere Erfrischungsgetränke hinzugekommen: von Saftschorlen über Limonaden zu Mate-Getränken ist das einst schwarze Etikett heute in allen Farben des Regenbogens zu finden. Über Geschäftszahlen wird bei der fritz-kulturgüter GmbH vergleichsweise wenig gesprochen. Bekannt ist, dass die jährlich abgefüllten Flaschen lange die Millionenmarke überschritten haben und der Umsatz im Geschäftsjahr 2014 bei 5,85 Millionen Euro lag. Das stets freche Marketing des jungen Unternehmens macht uns zu Rebellen, die die bekannte US-Marke ablehnen und deutsch süß trinken wollen. Humorvoll, vegan und eine Prise Hipster, so verkauft sich das fritz-Unternehmen. Von Jahr zu Jahr größer und größer und immer noch ein wenig wie St. Pauli: Schön zu sehen ist, dass das Unternehmen nach wie vor in den Händen der beiden Gründer liegt, gegen alle Widerstände in Deutschland. Macht weiter so, wir lieben euch.

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