PPR-NEWS

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KW 38/2016

Ob Arzt, Anwalt oder Handwerker: Wie Fernsehserien Berufswünsche von jungen Menschen fast mehr beeinflussen als die Werbungen der Bundesagentur für Arbeit

Doctor’s Diary, Suits und… was noch?

Fragt man Jugendliche heute nach ihren Berufswünschen, bekommt man häufig die Antwort: Arzt, Anwalt, Journalist oder doch lieber Modedesigner. Sie haben wortwörtlich bildlich vor Augen, wie sie erhobenen Hauptes durch die Flure des Krankenhauses marschieren, natürlich im weißen Kittel und von allen bewundert. Oder wie sie als Designer auf der Fashionweek in Paris die neueste Mode präsentieren. Dies ist jedoch nüchtern betrachtet eher unrealistisch. Die Vorstellungen über ein solches Berufsleben kommen allerding nicht von irgendwo her. Denn schaltet man den Fernseher ein, so prasseln die Ideale der heutigen Berufswelt nur so auf die junge Generation ein. Serien wie Doctor’s Diary, Grey’s Anatomy, Suits oder auch Filme wie Nightcrawler und Shoppaholic, der gleich den Journalismus und die Mode kombiniert, wecken das Interesse für die heutigen Trendberufe. Eine Studie der Universität Münster hat herausgefunden, dass der Wunsch, beispielsweise im Gesundheitswesen zu arbeiten, signifikant mit dem Konsum von Arzt- und Krankenhausserien gestiegen ist. Junge Menschen sehen in den Helden der Serien Vorbilder, meinen zu wissen, wie der Alltag eines Arztes, Anwaltes oder Journalisten aussieht, und verrennen sich in die Idee, genau diesen Beruf später ausüben zu wollen, obwohl sie eigentlich noch nichts darüber wissen.

Jede Zeit hat ihre Berufswünsche

Realitätsgetreu sind diese Vorstellungen jedoch nicht. Der im Fernsehen gezeigte Joballtag stimmt kaum mit der Wirklichkeit überein. So werden einigen Berufe verzerrt, andere werden gar nicht erst erwähnt. Heutzutage arbeitet gut jeder vierte Beschäftigte in der Produktion und Verarbeitung. Doch in welcher Serie spielt der Handwerker den Helden? Oder der Ingenieur, oder der Versicherungskaufmann? Aufmerksamkeit gegenüber diesen Berufen ist weit und breit nicht zu sehen. Oder zumindest kommt diese nicht bei der gewünschten Zielgruppe an. Denn Werbung für die verschiedensten Berufe macht die Bundesagentur für Arbeit en masse. Es gibt Broschüren, Flyer, Plakate und natürlich die eigene Webseite. Kreative Köpfe denken sich die griffigsten Sprüche und Phrasen aus und gestalten das Layout modern und ansprechend. Und doch fehlt zum einen die Reichweite, zum anderen die Greifbarkeit der Berufe. Die heutigen Trendberufe werden interessant, da die Jugendlichen die Arbeitsfelder auf einer persönlichen Ebene kennenlernen. Sie fiebern mit ihren Serienhelden mit und bauen eine emotionale Bindung zum Charakter, zur Serie und zum Beruf auf. Ein Flyer kann nicht so viel Interesse wecken, so viele Emotionen vermitteln und die junge Generation so beeindrucken, wie eine Fernsehserie dies heutzutage schafft. Und so kommt es, dass  Fernsehserien zwar das Interesse vieler Jugendlicher wecken, allerdings auf einen Beruf, den es so oft gar nicht gibt. „Raumschiff Enterprise“ hat wohl wenige ihrer Fans ins Weltall gebracht.

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